Weingut Deutzerhof

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Ein alteingesessener Familienbetrieb geht mit der Zeit
(April 2017)

Der Zungenschlag des Referenten beim Apriltreffen der Weinheimer Weingilde verblüffte etwas, denn einen Hamburger Klang hatte man vom Vertreter eines Weinguts am Oberlauf der Ahr nicht erwartet. Doch Hans-Jörg Lüchau lieferte sofort die Erklärung. Nach einigen Jahren als Kellner in der Gastronomie und einer Weiterbildung zum Sommelier reizte ihn eine Herausforderung außerhalb der Restaurantwelt. Während seiner Sommelierausbildung lernte er Wolfgang Hehle kennen, der mit seiner Frau zusammen das VDP-Weingut Deutzerhof in Mayschoß führte. 2001 konnte er dort ein Praktikum machen. Die Arbeit machte ihm Spaß, und auch die Chemie zwischen ihm und der Familie stimmte. So wurde aus dem einjährigen Praktikum eine Festanstellung. Zwei schwere Schicksalsschläge trafen die Familie unvorbereitet: 2010 erlag Johann Hehle, der einzige Sohn, im Alter von 26 Jahren den Folgen eines Verkehrsunfalls und dann erkrankte der Vater an Krebs und starb 2013. Seitdem setzt Hans-Jörg Lüchau gemeinsam mit der Witwe all seine Kraft und sein Können dafür ein, den Betrieb so weiterzuführen, dass die beiden Kinder von Johann später frei entscheiden können, ob sie die Familientradition als 14. Generation weiterpflegen wollen.

Als ersten Wein gab es eine Cuvée, die ursprünglich aus einer Notlage entstanden ist, denn sie mussten 2001 einen Weinberg schnell lesen, auf dem viele verschiedene Sorten wuchsen. Darum wurde pragmatisch entschieden, die Trauben alle zusammen zu lesen und zu verarbeiten. Da der Wein sehr gut ankam, wird er immer noch gemacht, allerdings nicht mehr nur von diesem einen Weinberg, auf dem heute ausschließlich Spätburgunder steht, sondern von Trauben verschiedener Lagen.

Hans-Jörg Lüchau erzählte, dass Wolfgang Hehle, der wie er nicht aus einer Winzerfamilie stammte, bei seinem Bestreben, vom alten Ahrstil mit leichten, süßen und hellen Rotweinen wegzukommen, zunächst rund 60% der Kunden, aber dennoch nicht die Unterstützung vor allem seiner Schwiegermutter verlor. Als er dann 1993 den ersten deutschen Rotweinpreis gewann, wurden auch Weinfreunde, die nicht in der näheren Umgebung wohnten, auf den Betrieb aufmerksam, und der Kundenstamm wuchs wieder. Doch bevor es zu dieser Auszeichnung kam, musste er wie so mancher Kollege damals erleben, dass die amtliche Weinprüfung weder trockene Auslesen noch im Barrique gereifte Weine anerkennen wollte. Als er deshalb 1990 einen solchen Wein als QbA verkaufen sollte, kam seinem Schwiegervater die Idee, dem Wein einen Namen aus der langen Geschichte der Cossmanns zu geben: Es wurde der Caspar C.

Beim zweiten Wein, einem Cossmann-Hehle Spätburgunder, stecken im Name die beiden Familien, die das Weingut prägen. Der dritte, „Balthasar C.“, erhielt seinen Namen als Widmung für den Verfasser des Eifel-Krimis „In Vino Veritas“, der unter Ahr-Winzern spielt und z.T. echte Personen einfließen lässt. Er reifte in Barriquefässern, aber nur in gebrauchten, und wurde durch einen Teilsaftabzug während der Maischestandzeit konzentriert.

Der vierte Wein hatte wieder eine besondere Geschichte: Er entstand erstmals, als Johann 2003 von seinem Großvater einen Weinberg geschenkt bekam in der Hoffnung, so bei ihm mehr Begeisterung für das Winzerhandwerk zu wecken. Der Plan ging auf, doch Johann wollte seinen Wein abgrenzen von den väterlichen Weinen, und das spiegelte sich in der Ausbauart, der Flaschenform und der Benennung wider, die mit Pinot für Spätburgunder und One für 1 (1. Weinberg, 1. Jahrgang) spielte (siehe Bild).

Mit Johanns Tod verschwand dieser Wein nicht, sondern wird weiterhin – aber nur in sehr guten Jahren – nach seinen Vorstellungen von Hans-Jörg Lüchau als jetzigem Kellermeister erzeugt. Nun folgte der Paradewein von Wolfgang Hehle, der Caspar C., mit dem er 1990 noch Probleme bei der Weinprüfung hatte. Der Wein von 2015 war natürlich noch zu jung, zeigte aber schon, wie viel Spaß er in zwei bis drei Jahren machen wird.Ihm schloss sich nach der Cuvée am Anfang des Abends der zweite Ausreißer aus der Spätburgunderprobe an: ein Frühburgunder, dessen Name Alpha & Omega darauf hindeuten soll, dass die Reben für diesen Wein am Anfang und am Ende des Tales wachsen. Das sind rund 23 km Entfernung und 125 m Höhenunterschied. Dies führt zu einer zehntägigen Reifeverzögerung, weshalb hier keine zeitgleiche Lese möglich ist, die Weine also getrennt ausgebaut und erst zum Schluss zu einer Lagencuvée vereint werden.

Pinot_One

Die große Überraschung kam am Schluss mit einer Blindprobe. Da es unter den Gildemitgliedern und Gästen ausgezeichnete Weinnasen gibt, erkannten einige die Dornfeldertraube, obwohl dieser Wein im Weinberg wie ein guter Burgunder behandelt worden war und 18 Monate im neuen Barrique gelegen hatte. 2012 hatten sie bei diesem Wein einen Ertrag von nur 38 hl/ha, und damit überzeugte er so manchen Dornfelder-Verächter, dass auch aus dieser Rebensorte phantastische Weine gemacht werden können.

Mit einem herzlichen Dank an Hans-Jörg Lüchau ging ein ausgesprochen informativer, unterhaltsamer und genussreicher Abend zu Ende.