Jahreshauptversammlung

5. Dezember: Weine aus La Palma

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Eine lehrreiche Jahreshauptversammlung
(April 2011)

Am 5. April fand die Jahreshauptversammlung der Weinheimer Weingilde statt, bei der auch die Neuwahl des Vorstandes anstand. Um den Abend jedoch satzungsgemäß zu gestalten, gab es auch Weine zu verkosten, und zwar handelte es sich um Weine aus Ungarn, die eigentlich schon im Januar auf dem Programm standen, damals aber nicht rechtzeitig angeliefert worden waren.

So wurde abwechselnd ein Tagesordnungspunkt erledigt und ein Wein verkostet, wobei es den Mitgliedern durchaus gelang, dem einen wie dem anderen Aspekt ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen. Obergildemeister Dr. Siegfried Weber konnte den Zugang von vier Mitgliedern vermelden, dem das Ausscheiden von zwei Mitgliedern gegenüberstand. Die Kassenprüfer – das Ehepaar Fischer – erklärte sich mit dem Ergebnis der Kassenprüfung als vollkommen zufrieden, weshalb Kassenwart Jens Zepp auch einstimmig entlastet wurde, ebenso wie später der gesamte Gilderat.

Bei der Neuwahl stellten sich alle bisherigen Gildemeister wieder zur Wahl und wurden jeweils einstimmig ohne Gegenkandidaten gewählt. Die Wahl selbst führte Hermann Moll als Wahlvorstand durch.

Unter den sieben verkosteten Weinen waren drei weiße, die die klassischen ungarischen Rebsorten Juhfark und Furmint repräsentierten. Letztere ist auch die Hauptkomponente des berühmten Tokaji Aszú – des edelsüßen Tokajer, von dem ein Vertreter den Abend abschloss. Seine Produktion ist äußerst aufwendig: Zuerst werden die von Botrytis befallenen Trauben während der Lese in Behältern gesammelt, dann werden sie zu einer teigartigen Masse verknetet, die mit dem separat aus gesunden Trauben hergestellten Grundwein vermengt und zwei bis drei Tage gemaischt werden. Danach folgt eine zweite Vergärung in kleinen Fässern. Je höher der Anteil edelfauler Trauben ist, desto mehr Puttonyos hat der Wein, wobei der höchste Wert 6 ist, der für ein Verhältnis von etwa 1:1 steht.

Auch bei den vier Rotweinen dominierten ungarntypische Rebsorten, wenn auch in den letzten Jahren ein deutlicher Trend hin zu internationalen Sorten festzustellen ist. Es gab einen Kékfrankos aus Villány – im Schwäbischen als Lemberger bekannt –, einen Egri Bikavér (die Cuvée Erlauer Stierblut, die erst nach der Wende wieder als anspruchsvoller Wein auf den Markt kam) sowie eine Kadarka – eine sehr anspruchsvolle alte Rebsorte – und eine Bikavér Reserve aus Szekszárd.

Jens Zepp, der die Weine vorstellte, erzählte auch etwas über die lange Tradition des Weinanbaus in Ungarn, wo schon in über 7000 Jahre alten Bodenschichten Rebkerne entdeckt wurden und Edelrebkerne immerhin auch schon vor rund 3500 Jahren nachgewiesen sind. Diese alte Weinkultur ist auf Römer im Westen und Griechen im Osten des Landes zurückzuführen, denn die Magyaren selbst kamen erst vor rund 1100 Jahren ins heutige Ungarn. Heute konzentriert sich der Weinanbau um Tokaj, Eger, den Plattensee, Szekszárd und Villány, das als Bordeaux des Ostens bezeichnet wird.