Neue Rotweinsorten

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Die Qual der Wahl
(Dezember 2004)

Globalisierung bedeutet die Öffnung der Grenzen. Davon bleibt auch der Weinbau nicht verschont. Bisher in Deutschland nicht zugelassene Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc, die in Frankreich beheimatet und heute in aller Welt verbreitet sind, werden nunmehr auch in Deutschland vom Bundessortenamt, zunächst im Versuchsanbau, später auch als zugelassene Rebsorte zum Anbau freigegeben. Sogar eine typische italienische Rebsorte wie die Sangiovese steht heute, zum Beispiel in der Pfalz, im Versuchsanbau. Natürlich wird daraus auch Wein hergestellt, der im Handel oder beim Erzeuger erhältlich ist.

Unabhängig von dieser Entwicklung suchen die Rebenzüchter nach Wegen, mittels Kreuzungen neue Rebsorten zu züchten, um die Qualität des deutschen Rotweines zu verbessern. Insbesondere sind in den 70er Jahren Kreuzungen zwischen Dornfelder, Lemberger und Cabernet Sauvignon durchgeführt worden. Es entstanden dabei Rebsorten wie Cabernet Dorsa, Cabernet Mitos, Cabernet Dorio und Acolon. Die Rebsortenvielfalt in Deutschland nimmt ungeahnte Ausmaße an, was es für den Konsumenten nicht leichter macht. Die Wahl wird zur Qual, insbesondere dann, wenn man nicht weiß, wie diese Weine schmecken.

Da zum Jahresabschluss bei der Weingilde traditionell Rotweine auf dem Programm stehen, lag es somit nahe, sich mit den "neuen" Rebsorten zu befassen. Bei einer Tagestour in die Pfalz wurde Weine für eine Probe gesucht, um sie im Kerwehaus auf den "Prüfstand" zu stellen. Es wurde probiert und diskutiert.

Begonnen wurde mit einem Merlot im Normalausbau; ihm folgten Acolon, Cabernet Dorsa, Cabernet Cubin, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, alle im Barrique ausgebaut und noch jung an Jahren. Also Weine, die noch einige Jahre im Keller liegen sollten, um (gerade beim Ausbau im Barrique) ein harmonisches Geschmacksbild zu erreichen. Die Einschätzung dieser Weine mit zum Teil noch ungewohnten Aromen und Geschmacksnuancen war nicht einfach. So war es nicht verwunderlich, dass die Meinungen der Anwesenden geteilt waren, obwohl einige der Weine (Merlot, Cabernet Dorsa und Cabernet Franc) bei Prämierungen recht gut bewertet worden waren. Insgesamt überwog die Meinung, dass die deutschen Winzer im Vergleich, zum Beispiel zu ihren französischen und auch australischen Kollegen, wohl noch mehr Erfahrung sammeln müssen. Wobei auch die Frage aufkam, ob es überhaupt sinnvoll ist – auch aufgrund der klimatischen Bedingungen – solche Weine in Deutschland anzubauen. Auch sind die Preise (nicht wenige lagen zwischen 15 und 20 Euro) so, dass eine Kaufentscheidung wohl überlegt sein will.

Den "neuen" Rotweinsorten kann man durchaus positive Aspekte abgewinnen, zumal auch Anfangserfolge erzielt werden konnten. Hinsichtlich der Zukunft dieser Rebsorten gingen die Meinungen jedoch auseinander. Zumindest muss man noch zulegen, um auf dem deutschen Markt qualitativ und preislich bestehen zu können. Werden doch Weine vieler dieser Sorten in Deutschland aus Ländern angeboten, in denen die Ausgangsbedingungen günstiger und die Erfahrungen der Winzer größer sind.

Es war eine interessante Weinprobe, die jedoch ein abschließendes Urteil über die "neuen" Weine in Deutschland nicht zuließ. Es gilt das Gebot für den Weinfreund: viel probieren und Erfahrung sammeln.

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