Südafrikanische Rotweine

5. Dezember: Weine aus La Palma

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Weine aus dem Swartland: Rotweinentdeckungen bei
südafrikanischen Winzern
(Dezember 2015)

Eine Weinregion, die trotz ihrer Entfernung von Deutschland bei uns in den Weinregalen sehr präsent ist – Südafrika, wurde beim Dezembertreffen der Weingilde aus einem anderen Blickwinkel entdeckt: Nicht die großen Namen, sprich die Großbetriebe, sondern kleine Familienweingüter hatten die verkosteten Weine erzeugt.

Im Swartland, einem Teil der Kapregion, der vor allem als Kornkammer Südafrikas bekannt ist, haben 2010 vier Weingüter ein Weinfestival veranstaltet, bei dem es ausschließlich spontan vergorene Weine von lokalen Weinerzeugern zu verkosten gab. Inzwischen hat dieser für Südafrika sehr ungewöhnliche Ansatz viele Freunde gefunden. Die Weingilde durfte sieben Weine von sechs südafrikanischen Familienbetrieben kennenlernen, von denen vier im Swartland zu Hausen sind: A. A. Badenhorst Family Wines, Franki´s Vineyards, Mullineux Family Wines und  Sadie Family Wines. Die zwei weiteren Weingüter kamen aus klassischeren Weinbauregionen: Black Elephant Vintners aus Franschhoek und Eenzaamheid aus Paarl.

Swartland ist im Südosten durch den Paardeberg vom angrenzenden Paarl getrennt. Seine Weingärten befinden sich auf bis zu 700 Meter Seehöhe, und seine bestimmende geologische Komponente ist eine Schieferformation, in der die Schichten vertikal liegen, so dass die Reben sehr gut in die Tiefe wurzeln können. Daneben findet man Lehm und Granit. Das Swatland verfügt über viele sehr alte Rebstöcke – so sind die von Eben Sadie bis zu 110 Jahre alt –, und die Reberziehung ist meist in Buschform. Trotz der relativ geringen Niederschlagsmenge verzichten die Winzer auf Bewässerung. Bemerkenswert ist auch, dass die zu „Swartland Independent“ zusammengeschlossenen Weinmacher ein Manifest formuliert haben, das das mit Abstand anspruchsvollste Auflagenheft weltweit ist.

Die Winzer wollen mit europäischen Rebsorten eher europäisch anmutende Weine erzeugen als Weine mit dem typischen „Neue-Welt“-Geschmack. Das gelingt ihnen hervorragend, wie die Weine, fünf Cuvées und zwei reinsortige (ein Grenache und ein Syrah), deutlich belegten. Die meisten Winzer hier erzeugen nicht nur aus ihren eigenen Trauben Wein, sondern auch aus zugekauften. Dafür haben sie Verträge mit Weinbauern, die die Weinberge genau so bearbeiten müssen, wie es sich der abnehmende Weinmacher vorstellt.

Die meisten Betriebe existieren erst wenige Jahre als die heutigen Weingüter, wenn auch viele auf eine lange Tradition als landwirtschaftlicher Mischbetrieb zurückblicken können, und die heute im Keller verantwortlichen Personen haben in der Regel einige Jahre der „Wanderschaft“ durch die Weinwelt hinter sich. So war Eben Sadie 15 Jahre bei europäischen Winzern unterwegs, arbeitete dann 1997–1999 beim Swartland-Pionier Charles Back, und erzeugte im Jahr 2000 sein ersten eigenen Wein, der ihm gleich die höchste Punktzahl von John Platter, dem „Parker Südafrikas“, einbrachte.

Kein Wunder also, dass die Besucher des Abends mit großem Genuss die von Gildemeister Jens Zepp moderierte Weinprobe erlebten. Mit guten Wünschen für das Weihnachtsfest und für das neue Jahr beendete Obergildemeister Dr. Siegfried Weber das letzte Treffen der Weingilde 2015.