Weingut Bercher vom Kaiserstuhl

5. Dezember: Weine aus La Palma

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In zehnter Generation Winzer am Kaiserstuhl
(Dezember 2009)

Am 1. Dezember durfte die Weinheimer Weingilde Arne Bercher aus Burkheim am Kaiserstuhl bei sich willkommen heißen. Die Vorfahren der Berchers kamen nach dem 30-jährigen Krieg aus der Schweiz an den Kaiserstuhl, und er und sein Cousin Martin sind die zehnte Generation, die den Weinanbau am Kaiserstuhl betreibt. Sie haben auf etwa 24 Hektar ihre Rebstöcke, rund 35% davon sind Rotweinsorten. Die Arbeitsteilung ist klar geregelt: Arne kümmert sich um die Arbeit im Keller, Martin betreut die Weinberge, und die Vermarktung der Weine liegt in beider Hände. Ein Drittel der Weine geht direkt an die Endkunden, der Rest an die Gastronomie und den Handel. Exportländer sind vor allem Belgien, Dänemark, die USA (Kalifornien), Japan und England, wobei England ein schwieriger, jedoch wichtiger Meinungsmarkt ist; hier gibt es einflussreiche Weinjournalisten, die man nur dort erreichen kann.

Der erste Wein, ein trockener Muskateller, trug den Namenszusatz „Selection“, womit die Berchers seit 1986 ausdrücken, dass die Trauben extrem ertragsreduziert gelesen wurden. Damals war die Umsetzung noch ungewöhnlich, und auch der Großvater konnte sich mit der neuen „Philosophie“ nur schwer anfreunden, dass man zur Qualitätssteigerung den Ertrag reduzieren müsse. Aber 1986 nahm ihnen ein Hagelunwetter im Frühjahr diese Reduktion ab, und was sie danach noch ernteten, war in der Qualität überzeugend besser. Dafür gab’s dann den Namen „Selection“.

Während dieser erste Wein vom Lössboden stammte, kamen die restlichen Weine des Abends von den für den Kaiserstuhl typischen vulkanischen oder Vulkanverwitterungsböden. Dreimal war die Lage Burkheimer Feuerberg – eine reine Südhanglage – vertreten, mit einem Weißburgunder und zwei Großen Gewächsen (GG), einem Grauburgunder und einem Spätburgunder. Der Weißburgunder ist als idealer Essensbegleiter auch in der Gastronomie sehr gefragt, der auf ihn folgende Grauburgunder präsentierte sich etwas dichter und süßfruchtiger, was zum Teil auf den Ausbau im großen Holzfass zurückgeführt werden kann.

Doch das Weingut hat nicht nur Weinberge im Heimatort, sondern als in den 1970er Jahren klar wurde, dass Rainer und Eckhardt Bercher (die Väter von Arne und Martin) das Weingut übernehmen würden, verkauften die Großeltern Baugrund in Burkheim, um im Nachbarort Sasbach Weinberge zu erwerben. Dabei gab es bei der Versteigerung dann aber großen Ärger, weil eine nichtortsansässige Familie mitsteigerte – es kam sogar zu Handgreiflichkeiten, und bis zum heutigen Tage gibt es in den Weinbergen der Familie Bercher in Sasbach noch unerklärliche Rebschäden.

Der Weißburgunder aus der Lage Sasbacher Limburg, deren Vulkanaschegestein sogar weltweit den Namen „Limburgit“ trägt, mundete ausgezeichnet. Der letzte Weißwein war der GG-Grauburgunder, der elf Monate im Barrique, aber nur zu knapp einem Drittel in neuen Fässern ausgebaut worden war. Die Empfehlung von Arne Bercher war, diesen Wein in einen Jungweindekanter umzufüllen oder ihn geöffnet ein paar Tage im Kühlschrank stehen zu lassen; dann ist der Trinkgenuss noch höher.

Alle Weißweine waren aus dem Jahr 2008, das Arne Bercher als ein sehr schönes Weinjahr bezeichnete, weil die kühlen Nächte während der Lese zusammen mit den warmen Tagen gesundes Lesegut mit einer wunderbar feingliedrigen Säurestruktur hervorbrachten.

Die beiden Rotweine zum Schluss dagegen stammten von 2007, denn bei den Berchers liegt jeder Spätburgunder mindestens ein Jahr im großen Holzfass, der GG-Wein lag nach der Vergärung im Edelstahl sogar 18 Monate im Barrique. Beide Weine überzeugten durch ihre dichte, dunkle Struktur.

Mit den besten Wünschen für ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr endete so ein gelungener Jahresabschlussabend.