Staatliches Weinbauinstitut Freiburg

5. Dezember: Weine aus La Palma

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Der Gewinner ist dieses Mal der Rotwein
(Februar 2004)

Es war ein extrem heißer und trockener Sommer wie schon lange nicht mehr, der im vergangenen Jahr die Menschen beschäftigte. Was den Wein betrifft, war er rekordverdächtig. Mindestens hinsichtlich des Erntebeginns und der Zuckerwerte des Traubenmostes wird er in die Geschichte eingehen. Gab es doch in Deutschland die höchsten Mostgewichte seit 1921. Werte über 300° Öchsle waren keine Seltenheit. Erinnerungen an die Jahrhundertjahrgänge 1921, 1937, 1959 und 1971 wurden wach. Die extreme Trockenheit bescherte den Winzern allerdings auch einige Tücken, die sich nachteilig auf die Qualität auswirken können. Man hört zwar durchweg positive Prognosen, doch lebt man wohl eher zwischen Hoffen und Bangen.

Der Weinfreund ist zurzeit noch verunsichert und hätte gerne mehr Informationen, denn zum größten Teil schlummert der neue Wein noch in den Kellern. Die Weinheimer Weingilde bat deshalb Herbert Krebs vom Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg über seine Erfahrungen mit dem Weinjahrgang 2003 (sozusagen als Mittler zwischen Forschung und Praxis) zu berichten.

Das mediterrane Klima brachte bei geringen Erträgen zwar früh hohe Mostgewichte, aber mangelnde Fruchtaromen wegen fehlender innerer Reife. Das führte dazu, dass der Lesezeitpunkt nach hinten verschoben werden musste, um eine gute Aromaausprägung zu bekommen. Dies mit der Folge, dass die Zuckerwerte extrem anstiegen und beispielsweise beim Stickstoffgehalt erhebliche Einbußen zu verzeichnen waren. Es drohten mikrobiologische Schwierigkeiten in der Kellerwirtschaft. Das führte dazu, dass erstmals auch in unseren nördlichen Weinanbaugebieten eine Säuerung von Most und Wein notwendig und auch per Ausnahmeregelung zugelassen wurde.

Um die Gefahr von untypischen Alterungstönen (UTA) abzuwenden, dem Wein die Frische zu erhalten und auch dessen Lagerfähigkeit zu gewährleisten, wurden im Freiburger Weininstitut spezielle kellerwirtschaftliche Strategien entwickelt. Insgesamt gesehen ergibt sich aufgrund der extremen Witterungsbedingungen in der Summe ein "mediterraner" Jahrgang. Sicher gibt es dabei regionale Unterschiede und auch spielt eine wesentliche Rolle, ob es sich um Weiß- oder Rotwein handelt. Allen Weinen gemeinsam ist, dass sie einen ungewöhnlich hohen Alkoholgehalt (13 bis 16 Vol.-%) aufweisen.

Leichte und fruchtige Weine sind eher die Ausnahme, obwohl sich Jungweine trotz hoher Alkoholgehalte schlanker probieren, als rein analytisch zu erwarten wäre. Auch der Anteil der lieblichen Weine in den unteren Prädikaten ist eher gering. Wer bei den "Weißen", insbesondere beim Riesling, Probleme mit der Säure hat, kann aufatmen, denn der neue Jahrgang ist magenfreundlicher. Freunde des "Roten" können sich ebenfalls freuen. Der Jahrgang 2003 verspricht eine Fülle guter und bester enorm konzentrierter Rotweine. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Jahrgang 2003 geprägt ist von hohen Alkoholgehalten, moderaten Fruchtsäuren und gutem Aromapotenzial.

Gewinner dieses Jahrgangs ist unzweifelhaft der Rotwein. Ob es ein Jahrhundertjahrgang wird und wie es um die Lagerfähigkeit des Weins bestellt ist, bleibt abzuwarten.

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