Die Pfalz gegen den Rest der Welt

5. September: Jahreshauptversammlung

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Hoher Besuch aus Hochstadt bei der Weingilde
(Februar 2009)

Unter dem Motto „Die Pfalz gegen den Rest der Welt“ stand der Besuch der Deutschen Weinkönigin 2006/2007, Katja Schweder, am 3. Februar . An fünf verdeckt eingeschenkten Parallelproben sollte erkannt werden, welcher Wein aus der Pfalz stammte und aus welcher Weltgegend der andere kam.

Die meisten Pfälzer Weine kamen aus dem elterlichen Weingut von Katja Schweder in Hochstadt, das derzeit nur knapp drei Hektar Rebflächen bewirtschaftet, da Vater Schweder noch einem anderen Broterwerb nachgeht. Doch der jüngere Bruder macht zur Zeit eine Weinbaulehre, so dass in Zukunft vielleicht auch wieder größere Flächen bewirtschaftet werden können.

Die Weine aus dem Rest der Welt brachte Katja Schweder von ihrem Arbeitgeber mit: Sie stammten aus der Weinkellerei der BASF, die seit 1901 besteht und ursprünglich die Aufgabe hatte, den Beschäftigten das Kaufen von Wein zu erleichtern. Heute lagern dort etwa eine Million Flaschen, und das Hauptgeschäft der Weinkellerei ist der Versand in die ganze Welt. Die Entscheidung, ob ein Wein ins Sortiment aufgenommen wird, fällt bei Verkostungen in Ludwigshafen, zu denen pro Jahr etwa 4000 Flaschen angeboten werden. Im Sortiment finden sich rund 40% deutsche Weine und nur knapp 10% „Neue-Welt“-Weine. Der Rest kommt aus anderen europäischen Weinanbaugebieten.

Los ging es mit zwei Weißburgundern – übrigens die jüngste Mutation der Burgundersorten –, von denen sich der eine eher mild mit Apfeltönen, der andere fruchtiger mit einem Anklang von Limette präsentierte. Als es hieß, die beiden Weine seien nur etwa 100 km von einander entfernt zu Hause, war sich die große Mehrheit rasch sicher: Der mildere kam aus dem Elsass, der fruchtigere aus der Pfalz.

Schwieriger war es beim zweiten Paar, zwei Grauburgundern, der im Fall des Schweder-Weins von sehr tief wurzelnden alten Rebstöcken auf einem Kalk/Kiesel-durchsetzten Lehmboden stammte und daher etwas untypisch daherkam. Sein Partner erwies sich als ein Italiener aus einer Steillage mit Schwemmlandboden.

Beim letzten Weißweinpaar standen sich zwei Rieslinge gegenüber, wobei der „Weltwein“ aus dem Clare Valley in Südaustralien stammte. Hier erzählte Katja Schweder von ihrer Erfahrung als Erntehelferin bei Peter Lehmann im Barossa Valley: Man musste durch ein dichtes Laubdach richtig nach den Trauben suchen, die so vor Sonnenbrand geschützt werden, denn der würde zu Bittertönen im Wein führen. Da die australische Flasche den dort üblichen Schraubverschluss hatte, kam sie auch auf das heiße Thema Weinflaschenverschluss zu sprechen und erklärte dabei den Ursprung zweier heutiger Traditionen: Dass der Gastgeber zunächst sich etwas Wein einschenkt, geht auf den „Verschluss“ von Wein durch einen Tropfen Öl zurück. Die Gäste sollten Wein ohne Ölspuren bekommen. Und das Anstoßen ist das Überbleibsel davon, dass früher der Gastgeber den Inhalt seines Glases und des Gastglases zunächst mischte und dann wieder auf beide Gläser verteilte, damit der Gast sicher sein konnte, kein vergiftetes Getränk zu bekommen.

Nun folgte ein Rosépaar: Der erdigere Wein mit dem weniger intensiven Duft war ein Grenage aus dem Rioja, der andere war ein Portugieser Rosé, dessen Farbe an die Farbe des Krönungskleides von Katja Schweder erinnern sollte.

Das war der richtige Moment für ein paar Erinnerungen: Bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin gibt es eine dreistündige Fachbefragung, zum Teil auf Englisch; es gibt etwa 800 Anfragen für Auftritte der Weinkönigin, was eine kritische Auswahl unabdingbar macht; die Idee zur Schaffung dieses Ehrenamtes geht auf die in den 1920er Jahren begründete Tradition einer Pfälzer Weinkönigin zurück. Besonders schön waren die Antrittsbesuche bei den deutschen Weinanbaugebieten, und am verblüffendsten war die Antwort eines chinesischen Weintrinkers, was er an deutschen Rotweinen schätze: Rot sei die Farbe Chinas, der Liebe und des Kommunismus, und Marx sei ein Deutscher gewesen, deshalb liebe er deutschen Rotwein.

Den Abend beendeten zwei Rotwein-Cuvées, die eine aus Südafrika bestand aus Cabernet Sauvignon und Shiraz, die andere wurde von sieben Hochstädter Winzern zu Ehren Katja Schweders aus den Rebsorten Spätburgunder, Dornfelder, Cabernet Sauvignon, Acolon, Merlot und Portugieser gemischt.

Einhellige Meinung: Der Abend war rundum gelungen, die Referentin erste Klasse, und die Pfalz braucht sich mit ihren Weinen in keinster Weise verstecken.