Hermann Cetto

4. Dezember: Weingut Nelles aus Bad Neuenahr-Heimersheim

Hermann_Cetto

Bei der Beerdigung von Hermann Cetto am 8. Februar 2013 wandte sich der aktuelle Obergildemeister Dr.Siegfried Weber mit folgenden Worten an die Anwesenden:

Liebe Familie Cetto, verehrte Trauergemeinde,

wie Sie bereits der Vita von Hermann Cetto entnehmen konnten, waren der Wein und die Weinheimer Weingilde ein wichtiger Teil seines Lebens. Und daher verwundert es wohl kaum, dass ich als derzeitiger Vorsitzender der Weingilde gebeten wurde, ein paar Worte an Sie zu richten. Dieser Bitte entspreche ich gerne.

Wir nehmen heute also Abschied von Hermann Cetto, dessen Name wohl jedem in Weinheim vertraut ist, der sich für Wein und Weinkultur interessiert. Schließlich hat dieser große Weinfreund von 1976 bis 1998 die Weinheimer Weingilde geleitet, der er seit ihrer Gründung 1973 angehörte. Auch nachdem er aus Altersgründen den Vorsitz niedergelegt hatte, blieb er ein regelmäßiger und interessierter Teilnehmer an unseren monatlichen Treffen und unseren jährlichen Ausflügen. Erst in den letzten Jahren wurden seine Besuche seltener.

Daneben hat Hermann seine Weinbegeisterung und sein Weinwissen auch viele Jahre lang in Weinseminaren der Volkshochschule Badische Bergstraße an Wein-Neulinge weitergegeben und Weinproben in der näheren und ferneren Umgebung moderiert.

Zu seinen Schülern bei der Volkshochschule zählen viele heutige Mitglieder der Weinheimer Weingilde, darunter auch ich. Als ich 1986 mit meiner Frau aus München ohne Weinwissen nach Weinheim kam, fiel uns im Volkshochschulprogramm eines der von Hermann Cetto angebotenen Weinseminare auf. Da unser neues Zuhause alle bekannten deutschen Weinanbaugebiete sozusagen vor der Haustür hatte, wollten wir die Gelegenheit nutzen, Grundkenntnisse über das Genussmittel Wein zu erwerben.

Hermann hat die Abende so spannend, abwechslungsreich und informativ gestaltet – und der Weingenuss kam dabei natürlich auch nicht zu kurz –, dass wir das Ende des Seminars sehr bedauerten.  Umso mehr freuten wir uns, als er uns von einem Verein in Weinheim erzählte, der sich dem Weingenuss verschrieben habe, und uns vorschlug, doch mal einen Abend als Gäste zu besuchen. Gleich nach diesem Abend baten wir darum, in die Weingilde eintreten zu dürfen, und damit können wir nun, dank Hermann, auf mehr als ein Vierteljahrhundert Mitgliedschaft zurückschauen.

Solange Hermann den Verein leitete, konnten wir die von ihm organisierten unvergesslichen Abende und Ausflüge entspannt genießen, ohne uns bewusst zu machen, wie viel Arbeit damit verbunden war. Heute, wo ich selbst dem Vorstand angehöre, weiß ich erst richtig zu schätzen, wie sehr die Weingilde davon profitiert hat, dass Hermann sich ihr so viele Jahre mit großem Engagement gewidmet hat. Gerne denke ich auch an meine Besuche bei Hermann zurück, bei denen er mir anhand seiner akribisch gepflegten Unterlagen die Geschichte der und Geschichten über die Weingilde erzählt hat. Auch diese Besuche sind leider jetzt Geschichte.

Nicht vergessen werden darf natürlich Hermanns Frau Helga, die bis zu ihrem für Hermann sehr schmerzlichen Tod sein zeitverschlingendes Hobby immer toleriert und mitgetragen hat.

Wir alle werden Hermanns liebenswürdiges Wesen, seinen großen Weinsachverstand und seine unnachahmliche Art, dieses Wissen weiterzugeben, sehr vermissen.

Unser Mitgefühl gilt seinen Kindern und deren Familien.

 

Mit folgendem Text wurde Hermann Cetto anlässlich seines 90. Geburtstag im Jahr 2010 gewürdigt:

Am 5. August 2010 feierte Hermann Cetto seinen 90 Geburtstag. Es gibt wohl niemanden in Weinheim, der sich für Wein interessiert und dann diesen Namen nicht kennt. Schließlich hat dieser große Weinfreund nicht nur von 1980 bis 1998 die Weinheimer Weingilde geleitet, der er seit ihrer Gründung 1973 – und heute noch – angehört, sondern er hat viele Jahre lang auch in Weinseminaren der Volkshochschule Badische Bergstraße sein Weinwissen an Wein-„Neulinge“ weitergegeben und zudem viele Weinproben in der näheren und ferneren Umgebung moderiert. Zu seinen Schülern bei der Volkshochschule zählen viele derzeitige Mitglieder der Weingilde, darunter auch ihr jetziger Vorsitzende, Dr. Siegfried Weber, der als Oberbayer 1986 ohne Weinwissen nach Weinheim kam und schon 1987 dank eines Seminars von Hermann Cetto das Genussmittel Wein für sich entdeckt hat.

 Das Leben des Jubilars gäbe Stoff für einen ganzen Roman, darum hier nur stichwortartig einige wesentliche Stationen: Geboren wurde er in Karlsruhe, im Schwarzwald absolvierte er eine Konditorenlehre, und 1939 wurde er deutscher Staatsbürger. Als solcher durfte er gleich seine neue Heimat mit der Waffe verteidigen, und nach dem Krieg verschlug es ihn zunächst für einige Jahre in ein Gefangenlager in den USA. Dort gewann er mit deutscher Küche die Herzen der Wärter und entdeckte so eines seiner lebenslangen Hobbies – das Kochen und Backen.

Wieder zurück in Deutschland wurde bei einer von Cetto moderierten Unterhaltungsveranstaltung des Konditorenvereins Karlsruhe ein als Gast anwesende Direktor der Margarine-Union auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn von Fleck weg. Damit war Cettos beruflicher Lebensweg für die nächsten 30 Jahre vorgezeichnet: Als Konditoren-Fachberater und Verkaufsgruppenleiter kam er viel in Deutschland herum und lernte so auch seine Frau Helga, mit der er zwei Kinder hat und die leider bereits 2003 starb, in Dillingen an der Donau kennen.

Nach vielen Jahren in der Hildastraße in Weinheim war er mit seiner Frau zu seinem Sohn nach Mückenloch gezogen, doch bald nach ihrem Tod zog es ihn nach Weinheim zurück, und inzwischen genießt er seine Tage in der Seniorenresidenz am Schlosspark.

Nicht vergessen werden sollen zwei weitere Hobbies von Hermann Cetto: der Sport und die Stammbaumforschung. Sei es das Boxen in jungen Jahren, später das Tischtennisspielen und schließlich das Boule-Spiel, immer war er mit vollem Einsatz bei der Sache, und er machte es sich zu seinem Anliegen, die Vergangenheit der Cetto-Sippe aufzuhellen, deren erste urkundliche Erwähnung er auf das Jahr 1476 datieren konnte und die es inzwischen auf 80 Familien gebracht hat. Dabei entdeckte er auch ein von einer Linie der Cettos betriebenes Weingut in Mexiko – man sieht also, die Freude am Wein liegt auch in den Genen der Cetto-Familie begründet.