Weingut Markus Molitor

3. Juli: Weingut Stigler vom Kaiserstuhl

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Mosel-Rieslinge trocken
Beim Weingut Molitor denkt man Tradition neu
(Januar 2018)

Zum Januartreffen hatte die Weinheimer Weingilde das Weingut Markus Molitor aus Wehlen an der Mosel eingeladen. Gekommen war Daniel Kiowski, den es aus seiner Heimatstadt Berlin über den Kellnerberuf und die Stelle als Chef-Sommelier in einem Drei-Sterne-Restaurant schließlich zu Markus Molitor geführt hat, wo er seit zwei Jahren für den internationalen Vertrieb zuständig ist. Deshalb begann er seine Begrüßung mit den Worten, er freue sich riesig, mal über die Weine seines Arbeitgebers in seiner Muttersprache erzählen zu können.

Mitgebracht hatte er einen Weißburgunder und sechs Rieslinge, alle von 2015, wies aber gleich darauf hin, dass sie – kaum wurde die Rebsorte Ende der 1980er Jahre an der Mosel wieder erlaubt – auch den Spätburgunder in ihr Sortiment aufgenommen hatten. Das Weingut produziert bis zu sechs verschiedene Pinot Noir pro Jahr, allerdings sind diese immer sehr schnell ausverkauft.

Als allgemeine Informationen zum Weingut erfuhren die Gäste unter anderem, dass der Vater von Markus Molitor schwerpunktmäßig mit Weinen gehandelt und sich erst er selbst als Zwanzigjähriger Anfang der 1980er Jahre ganz dem Weinmachen verschrieben hat, dass es sich bei den inzwischen etwa 100 Hektar Rebfläche zu rund 98% um Weinberge auf Schieferböden handelt, dass der durchschnittliche Ertrag nur 45 Hektoliter pro Hektar ist, dass 50% der Rieslinge trocken ausgebaut werden, dass die Weine nicht geschönt werden, dass sie alle komplett spontan vergoren werden und dass sie dadurch sehr moderat im Alkoholgehalt sind.

Zur Bezeichnung „Einstern“ beim Pinot Blanc hieß es, dass sie die klassische deutsche Prädikatswein-Klassifizierung nur bei den Rieslingen anwenden, bei den anderen Weinen käme eine weingutsinterne Klassifizierung zum Einsatz, welche die Burgundersorten mit ein bis drei Sternen auszeichnet, wobei die Kriterien Rebalter, Ertrag, Ausbau und letztlich die Qualität sind. Es folgten nun zwei Riesling-Kabinettweine – aus dem Wehlener Klosterberg und dem Ürziger Würzgarten – sowie eine Saarburger Rausch Spätlese, die deutlich machten, dass der Saarwein weniger Frucht hat und trockener wirkt als die Moselweine. Der letzte trockene Wein war dann ein „Alte Reben Saar Riesling“. Hier erfuhren die Gäste, dass das Weingut mit dem Begriff „alte Reben“ seit fast zwanzig Jahren arbeitet. Dieser Wein ist eine Art Basis-Auslese und kommt aus unterschiedlichen Lagen mit uraltem Rebbestand. Mit dem sechsten Wein wechselte die Kapselfarbe: Sie informiert den Kunden auf den ersten Blick darüber, ob er einen Wein mit trockenem (weiß), feinherbem (grün) oder fruchtsüßem Charakter (gold) vor sich hat. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts war es an der Mosel schwierig, einen hochwertigen trockenen Wein zu erzeugen, denn die Gärung hörte meist bei 15-30 Gramm Restzucker auf – ein Bereich, der heute als feinherb bezeichnet wird, wie bei der verkosteten Bernkasteler Badstube Spätlese. Zum Abschluss kam mit einem Ürziger Würzgarten Kabinett ein klassisch fruchtsüßer Mosel-Riesling, ins Glas. Diesen nur rund 7,5 Vol.-% Alkohol aufweisenden Wein bezeichnete Kiowski als „Erwachsenen-Limo“, und er verblüffte die Zuhörer noch mit der Information, dass die Norweger den höchsten Pro-Kopf-Riesling-Verbrauch unter allen Ländern haben.

Ein überaus informativer und zugleich sehr unterhaltsamer und genussreicher Abend fand so einen wunderbaren Abschluss.