Weingut Franzen

5. November: Weingut Selbach-Oster aus Zeltingen (Mosel)

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Weine vom Weingut Franzen
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In acht Jahren erfolgreich gereift
Mit 31 Jahren bereits etabliert – Kilian Franzen zu Gast bei der Weingilde
(Juli 2019)

Kilian Franzen
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Ein Schicksalsschlag stellte Kilian Franzen aus Bremm an der Mosel 2011 vor die Frage „Studium abschließen oder abbrechen und das elterliche Weingut übernehmen?“, denn sein Vater starb bei einem Arbeitsunfall. Er entschied sich gemeinsam mit seiner heutigen Frau, die damals ebenfalls noch studierte, für den Sprung ins kalte Wasser und machte bald positiv auf sich aufmerksam. So wurde er vom Weinmagazin Fallstaff als „Newcomer des Jahres 2018“ ausgezeichnet und fand rasch renommierte Handelspartner für den Verkauf eines erheblichen Teils seiner Flaschen ins Ausland.

Eine Auswahl seiner nach den auch für Mitglieder des Bernkasteler Rings gültigen VDP-Kriterien klassifizierten Weine präsentierte er beim Julitreffen der Weinheimer Weingilde. Der Abend begann mit einem Spätburgunder Rosé von grauem Schieferboden, der – für einen Rosé sehr unüblich – nur 1 g pro Liter Restzucker hatte, was ihn für die Liebhaber trockener Weine sehr reizvoll macht. Ihm folgten sechs Rieslingweine, fünf von 2018 und ein Großes Gewächs von 2017, die wie alle Franzen-Weine durch Spontanvergärung erzeugt wurden, was meist Restzuckerwerte von 5-10 g pro Liter zur Folge hat, und die unterschiedlichen Schieferböden (grau und rot) in den Weinbergslagen um Bremm deutlich erkennen ließen.

Beim ersten Riesling erzählte Franzen, dass er von einem flurbereinigten Weinberg mit 30–38 Jahre alten Rebstöcken stammt, dessen Ausrichtung gegen Osten sich inzwischen zu einem Vorteil entwickle, weil mit diesen Trauben trockene und dabei dennoch alkoholarme Weine erhalten werden können. Der verkostete Wein hatte bei nur 5 g pro Liter Restzucker nicht mehr als 11,5 Volumenprozent Alkohol. Franzen erklärte auch, dass es für sein Ziel – nicht zu alkoholreiche Weine – drei Gründe gebe: seine eigenen Vorlieben, einen Wandel bei den Vorlieben der Weinkäufer und die Tatsache, dass Moselweine wegen ihrer hohen Mineralität sowieso oft alkoholreicher wirkten, als sie sind.

Das Weingut baut inzwischen alle seine Weine im Edelstahltank aus, weil es die zusätzliche Wirkung von Sauerstoff während des Ausbaus bei seinen Weinen nicht für förderlich hält, verzichtet dabei auf Kühlung und lässt dem Wein die Gärzeit, die er braucht. Damit der Kunde das auch nachvollziehen kann, wurde die Weinklassifizierung „Zeit“ für besonders langsam gärende Weine kreiert. Bei ihr wird auf dem Flaschenetikett angegeben, wie viele Tage der Wein gegoren hat.

Mit drei Weinen dominierte die Lage Bremmer Calmont, die mit einer Neigung von 68% als steilste Terrassenweinberglage gilt und in der den Franzens fünf Hektar gehören. Insgesamt hat sich das Weingut seit 2010 von etwa 6 auf knapp 11 Hektar vergrößert, und es strebt eine Endgröße von 15 Hektar an. Das Große Gewächs aus dieser Lage stammte von mehr als siebzig Jahre alten Rebstöcken, die noch in der arbeitsintensiven Einzelpfahlerziehung stehen und kleinbeerige Trauben liefern. Anders als die Großen Gewächse vieler anderer Winzer begnügte sich dieses bei 3 g pro Liter Restzucker und 7 g pro Liter Säure mit nur 12 Vol.-% Alkohol. Zum Ausklang gab es einen restsüßen Kabinettwein, eine Kategorie, die das Weingut erst 2015 nach fast dreißig Jahren wieder eingeführt hat. Dieser Wein wirkte trotz seines Zuckergehalts von 38 g pro Liter alles andere als pappig süß, was der Säure von 8 g pro Liter und dem sorgfältig ausgewählten Lesegut zuzuschreiben ist.

Nicht zum ersten Mal nannte ein Winzer auf die Frage, welche Länder außerhalb Deutschlands die größten Abnehmer seien, die skandinavischen Länder – allen voran Dänemark – vor Ländern wie den USA, Großbritannien, China oder Japan. Das verwundert einfach schon aufgrund der sehr unterschiedlich großen Einwohnerzahlen dieser Länder. Mit einem herzlichen Dank und großem Beifall wurde Kilian Franzen verabschiedet.