Weingut Fußer

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Klein aber oho – das Weingut Fußer aus Niederkirchen zu Gast bei der Weingilde
(Juni 2012)

Mit ein paar Ar der elterlichen Rebfläche von rund 30 Hektar begannen die Brüder Martin und Georg Fußer während ihres Studiums in Geisenheim, ihre Ideen im Weinbau umzusetzen. Auslöser war nach Aussage von Georg Fußer, dass sie keine Lust mehr hatten, ihren Studienkollegen nur Genossenschaftsweine zum Verkosten mitbringen zu können. Der erste eigene Wein war ein Riesling von 2006, und da ihnen die Arbeit viel Spaß gemacht hatte, beschlossen sie, ein kleines Sortiment von sechs Weinen aus den Sorten Riesling und Spätburgunder aufzubauen. 2011 kümmerten sie sich dann schon um 2 Hektar, und in diesem Jahr gab es einen großen Sprung auf 5 Hektar, und deren Nutzung ist nun auch ökologisch zertifiziert.

Beim ersten Wein, einem Blanc de Noir vom Spätburgunder, fielen ein Moussieren und eine erstaunlich kräftige Farbe auf. Das erste erklärte Fußer mit der Kälte in ihrem „Keller“, die dazu führte, dass viel CO2 aus der Vergärung im Wein gelöst blieb, das zweite mit dem Säuregehalt (pH-Wert). Dieser beeinflusst die Farbintensität, indem er die chemische Struktur der Farbstoffe verändert. Im Jahr 2011 war der pH-Wert leicht erhöht.

Die Fußers lesen den Riesling und den Spätburgunder in drei Durchgängen, was die Zahl sechs erklärt. Der erste Lesegang gilt den eher weniger reifen Trauben und liefert die fruchtigen, feinherben Gutsweine, der zweite gibt dann den Kabinettwein und der dritte die Spätlese (beim Riesling jeweils aus der Lage Ruppertsberger Reiterpfad). Im letzten Jahr kam als Rebsorte noch der technisch anspruchsvolle Sauvignon blanc dazu, den sie auf zweimal lesen, aber als einen einzigen Wein ausbauen, und zwar im französischen Stil, also sehr reduktiv – dafür setzen sie sogar Trockeneis ein.

Die Spätburgunder stammen aus der Lage Deidesheimer Mäushöhle (laut Wikipedia war der ursprüngliche Name Musehelde, und die heutige Bezeichnung geht vermutlich auf den Familiennamen Maus zurück). Der 2010er enthielt 6 % im Barrique ausgebauten Wein, weil er sonst "zu schwach auf der Brust" gewesen wäre. Darum gibt es 2010 auch keinen GM Pinot Noir, wie sie ihre im Barrique ausgebaute Spätburgunder Spätlese nennen, von der ein 2008er den krönenden Abschluss bildete. Diese Weine bleiben mindestens 18 Monate im Fass, beim 2008er waren es sogar 22 Monate.

Als die Rede auf die Frostschäden der vergangenen Jahre kam, erzählte Georg Fußer, dass sie in diesem Jahr erstmals einen Helicoptereinsatz gegen Frost getestet hatten. Sie wussten, dass damit in Neuseeland und Kanada schon gute Erfahrungen gemacht worden waren, und auch ihnen gelang es, durch das Verwirbeln der Luftschichten mit den Rotorblättern die Temperatur am Boden um ca. 2°C zu erhöhen.

Georg Fußer beeindruckte an diesem Abend nicht nur mit seinen Weinen, sondern auch damit, dass er und sein Bruder das Ganze quasi nebenbei bewältigen: Georg arbeitet drei Tage in der Woche bei Markus Schneider in Ellerstadt mit, und sein zwei Jahre älterer Bruder Martin ist bei der Bad Dürkheimer Lebenshilfe angestellt.