Weingut Zimmerlin

5. Dezember: Weine aus La Palma

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Weißweine vom Kaiserstuhl: Seine Morgenseite profitiert vom Klimawandel
(Mai 2015)

Schuld war nur – ein Vin Santo von 1905, den Bettina Schumann als 12-Jährige beim Urlaub in Italien von einem Winzer zum Verkosten angeboten bekam. Ab diesem Zeitpunkt schmökerte das Berliner Kind nicht mehr in Jugend- oder Modezeitschriften, sondern verschlang Weinliteratur. Mit 16 traf sie beim Versuch, ihr Taschengeld durch Anzeigenakquise aufzustocken, auf einen Weinhändler, der ob ihres großen Weinwissens so erstaunt war, dass er ihr zum einen die Möglichkeit bot, Weine zu probieren, und zum anderen ihr zuredete, ihre berufliche Zukunft in der Weinwelt zu suchen. Nach dem Abitur war es dann so weit: Über das Weingut Ruck in Franken, ein Studium in Geisenheim, Aufenthalte im Kloster Eberbach, im Friaul, in Neuseeland und in Österreich wurde sie schließlich vor sechs Jahren beim Weingut Zimmerlin am Kaiserstuhl sesshaft. Von dort kamen auch die sieben Weine, die beim Maitreffen der Weingilde ausgeschenkt wurden.

Damals machte das Weingut gerade eine schwere Zeit durch, doch mit der Übernahme der Mehrheit am Betrieb durch Alexander Steiner und seine Familie ging es wieder bergauf, und Bettina Schumann genoss es, an der Neuausrichtung des Weinguts mitzuwirken. Bötzingen auf der Ostseite des Kaiserstuhls eignet sich vor allem für den Anbau von weißen Rebsorten, denn die besonders heiße Nachmittagssonne erreicht die Weinlagen nicht in der Intensität wie an der Westseite. Darum kamen bis auf einen Spätburgunder Rosé auch nur weiße Burgundersorten ins Glas: ein Auxerrois, zwei Weiß- und zwei Grauburgunder und ein Chardonnay. Alle Weine, außer dem Chardonnay, waren von 2014. Den Auxerrois hat Bettina Schumann zu einem der heute rasch ausverkauften Weine entwickelt, indem sie ihm eine lange Maischestandzeit gönnt und nur vollreifes Lesegut verwendet. Trotzdem sind diese Weine leicht, denn die Trauben haben fast nie mehr als 85° Oechsle. Die Weißburgunder waren das Ergebnis einer entspannten Lese und erlaubten ihr, im Keller Einiges auszuprobieren, während die vorausgegangene Lese der Grauburgundertrauben enorm stressig gewesen war, denn die Witterung und die Essigfliege erforderten ganz viele rasche Entscheidungen und erlaubten nur kurzfristiges Planen. Wenn sie den Eindruck hat, dass einem Wein etwas Restsüße gut zu Gesicht steht, setzt sie nicht auf Süßreserve, sondern stoppt die Gärung durch Kühlung und etwas höhere Schwefelgabe, denn Süßreserve schmeckt ihr zu pappig. Im Chardonnay sieht sie eine sehr vielseitige Rebsorte, die auch das Terroir sehr gut transportiert, aber etwas mehr Zeit braucht, weshalb davon auch ein 2013er in der Probe war. Der 5. und 6. Wein stammten von alten Reben und waren vollständig durch Spontanvergärung erhalten worden.

Zum Schluss erfuhren die Gäste noch, dass Bettina Schumann sich in nächster Zeit als Weinmacherin und önologische Beraterin für Weingüter selbstständig machen und sich unter anderem der letzten Weinsorte des Abends, dem Spätburgunder, intensiv widmen wird. Daraufhin wurde schon mal ein zweiter Besuch in ein paar Jahren verabredet, bei dem es dann Schumann-Weine pur geben soll.