Deutsche Weinkönigin von der Ahr

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Die Deutsche Weinkönigin 2010/2011 stellte Rotweine von der Ahr vor
(Mai 2012)

Der beste Platz für die Lagerung von Wein ist die Erinnerung – mit dieser Bemerkung verblüffte Mandy Großgarten, die Deutsche Weinkönigin 2010/2011 die Gäste beim Maitreffen der Weinheimer Weingilde. Doch eigentlich gibt es keine schönere Beschreibung dessen, was Weingenuss bedeuten kann.

Mandy Großgarten war gemeinsam mit Günter Schüller, dem Kellermeister und Vorstandsmitglied der DAGERNOVA Weinmanufaktur, von der Ahr nach Weinheim gekommen, um Weine dieser kleinen, aber feinen Winzergenossenschaft vorzustellen und einige Erinnerungen an ihre Zeit als Weinkönigin mit uns zu teilen. Günter Schüller stellte die Winzergenossenschaft vor, die etwa 600 Mitglieder hat – das ist rund ein Drittel der Ahrwinzer – und eine Rebfläche von 155 Hektar bewirtschaftet. Sie ging aus der Fusionierung zweier Winzergenossenschaften 1970 hervor und hat inzwischen eine weitere Winzergenossenschaft unter ihre Fittiche genommen. Der Name geht auf den lateinischen Ortsnamen von Dernau, der größten Weinbaugemeinde der Ahr, zurück, in der sowohl Mandy Großgarten als auch Günter Schüller zu Hause sind. Schüller war nach seiner Lehre bei der WG zunächst zu anderen Weinproduzenten gegangen, dann aber in den 1990er Jahren  in die Heimat zurückgekehrt.

An der Ahr, dem mit rund 560 Hektar viertkleinsten Anbaugebiet Deutschlands, werden zu 90% Rotweinsorten angebaut, und darunter sind wiederum 70% der „Riesling“ der Rotweine, der Spätburgunder. Entsprechend hatten die Gäste an diesem Abend nur Weine aus Rotweintrauben im Glas. Die Probe begann mit einem Spätburgunder trocken von 2009 und einem Spätburgunder Classic von 2011, dem nach Schüllers Meinung tollsten Jahrgang seit „ewigen Zeiten“. Die Classic-Definition bei Rotweinen unterscheidet sich von der bei Weißweinen: Ein Rotwein darf als Classic bezeichnet werden, wenn sein Restzucker nicht höher ist als sein Säurewert plus 2.

Anschließend folgte die „Diva“ unter den Rotweinen: ein Frühburgunder, der nur an der Ahr in nennenswertem Umfang angebaut wird und inzwischen Aufnahme in die „Arche des guten Geschmacks“ von Slowfood gefunden hat. Seine frühe Reife macht ihn attraktiv für Bienen, die die Trauben verletzen, er verrieselt leicht, und er ist früh trinkreif, altert dann aber auch recht rasch. Dass das Team der Dagernova versteht, mit dieser Rebsorte umzugehen, bewies nicht nur dieser Wein, sondern auch der 2010er im Barrique ausgebaute, der als fünfter Wein verkostet wurde. Davor gab es noch einen trockenen Spätburgunder aus der Barrique-freien Premiumschiene, die unter dem Namen DAGERNOVA No. 1 vermarktet wird. Auch wenn die WG kaum noch Lagenweine erzeugt, durfte ein solcher Wein nicht fehlen: Es war ein Heimersheimer Kapellenberg von 2009. Der Winzer, der in dieser Lage einen Weinberg hat, wurde von der WG das ganze Jahr über individuell betreut, um sicherzustellen, dass die Trauben im Herbst in optimaler Form in der WG angeliefert wurden.

Zum Schluss gab es einen Blanc de Noir vom Spätburgunder. Dazu erzählte Schüller, dass der Ahr-Winzer Meyer-Näkel vor einigen Jahren einen Sekt aus Rotweintrauben machen wollte (Champagner wird ja auch aus Rotweintrauben hergestellt), dann aber vom Grundwein so begeistert war, dass er beschloss, ihn direkt zu vermarkten. Das motivierte die WG, ebenfalls einen Blanc de Noir zu erzeugen.

Zwischen den Weinpräsentationen erzählte Mandy Großgarten aus ihrem Leben als Weinkönigin: Ihr gehören mittlerweile fünf Rebstöcke, von denen drei bei den Eltern, einer in ihrem Studienort Münster und einer in Freiberg in Sachsen stehen. Sie war am liebsten bei den Winzern zu Hause, denn dort waren sie viel authentischer als bei Messen und ähnlichen Veranstaltungen. Stolz gemacht hat sie, dass man in China und Japan nicht vom Pinot Noir, sondern vom Spätburgunder spricht, also bei dieser Rebsorte an deutsche Weine denkt.

Zwischendurch gab Mandy Großgarten den Gildemitgliedern noch was zu raten: Sie sollten ein Pulver am Geschmack erkennen, wenn sie sich dabei die Nase zuhielten, und sie sollten Aromen von Lebensmitteln in schwarzen Gläsern identifizieren. Bei der ersten Aufgabe war die Verblüffung groß, dass ein scheinbar völlig geschmackloses Pulver sich als hocharomatischer Zimt herausstellte, sobald die Nase beim Probieren eingesetzt werden durfte. Bei der zweiten Aufgabe wurde meist rund die Hälfte der Aromen – Walnusskerne, Apfelspalten, Lakritz, Erdbeermarmelade, Kaffeebohnen und dunkle Schokolade waren es – erkannt.

Der Abend verstrich wie im Flug, und zum Schluss blieb Obergildemeister Siegfried Weber nur noch, den beiden Referenten ganz herzlich für einen sicherlich in bester Erinnerung bleibenden Abend zu danken.