Hambacher Freiheit

6. Februar: Weingut Neuspergerhof aus dem pfälzischen Rohrbach

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Geschichtsstunde f√ľr Weinfreunde

Hambacher Fest und Hambacher Wein
(März 2014)

Das Freiheitsstreben der europ√§ischen V√∂lker nach dem Ende des Wiener Kongresses hat den Referenten beim M√§rztreffen der Weinheimer Weingilde in mehrfacher Hinsicht inspiriert. Er hat seinen Namen so ver√§ndert, dass er die drei L√§nder widerspiegelt, aus denen seine Freiheitshelden kamen: Aus Ludwig wurde polnisch Ludwik und aus Adam franz√∂sisch Adam√©, nur der Familienname des geb√ľrtigen Kurpf√§lzers Haass blieb unver√§ndert. In seinem Wohnort Hambach liegt mit dem Hambacher Schloss der Ort des ersten gro√üen Treffens von Freiheitsfreunden in Deutschland, und da war es f√ľr ihn selbstverst√§ndlich, dass er seine Weine mit der Geschichte dieses Ortes verkn√ľpfen w√ľrde.

Was das bedeutet, erfuhren die G√§ste im Laufe des Abends. Jeder der sieben verkosteten Weine trug einen Namen, der auf diese Ereignisse hinwies, und Haass erz√§hlte nicht nur etwas √ľber die Weine, sondern auch √ľber die Hintergr√ľnde der verwendeten Namen – also eine Weinprobe, die zugleich einen Blick auf eine historische Epoche er√∂ffnete.

Haass, dessen Wurzeln im kurpf√§lzischen Boxberg liegen, in dem sein Gro√üvater einen weinbaulich-landwirtschaftlichen und gastronomischen Betrieb einschlie√ülich Metzgerei gef√ľhrt hat, ist nach einer Metzgerlehre, einer Ausbildung zum Bankkaufmann und einem Studium heute beim Land Rheinland-Pfalz angestellt, betreibt den Weinanbau als – sehr intensives – Hobby und l√§sst seine Weine im Weingut Naegele ausbauen, das im September 2009 selbst bei der Weingilde zu Gast gewesen war. Neben den Trauben von seiner Lage Venninger Doktor und gepachteten Fl√§chen kauft Haass teilweise auch Trauben von Kollegen zu; so erweitert er sein Rebspektrum von Chardonnay, Sp√§tburgunder und Regent beispielsweise um Wei√ü- und Grauburgunder.

Die ersten beiden Chardonnays waren dem polnischen Philosophen und Offizier der Freiheitsarmee Grzymala, bzw. der polnisch-litauischen Comtesse Emilia Platter, die in ihrer Heimat eine Nationalheldin ist, gewidmet, der dritte trug den Namen FreiheitsBote. Besonders verbl√ľffte beim dritten, der immerhin schon vier Jahre alt war, die enorme Frische. Haass erkl√§rte hier auch die Bedeutung, die man damals den Farben Schwarz, Rot und Gold zugewiesen hatte: Pulver, Blut bzw. Flamme.

Den Wei√üweinen folgten ein Sp√§tburgunder von 2007, der den Namen des Strassburger Republikaners Lucien Rey trug, ein Regent von 2004 mit dem Namen V√∂lkerfreundschaft und ein weiterer Regent, ein Tyrannenblut von 2008. Alle Rotweine lagern bei ihm mehr als zwei Jahre in Barriquef√§ssern, allerdings nicht in neuen, sondern in drei bis f√ľnf Jahre alten, was ihnen nur ganz dezente Vanillet√∂ne verschafft.

Au√üerhalb der Liste gab es zum Schluss noch eine Cuv√©e aus Sp√§tburgunder und Regent von 2012, die erst einen Tag zuvor abgef√ľllt worden war. Sie trug den Namen Ludwik Miroslawski und wies deutliche T√∂ne von Johannisbeere und Kaffee auf. Haass erw√§hnte, dass er bei diesem Wein erstmals auch ein paar neue Barrique-F√§sser eingesetzt habe.

Auf die Frage, wie er seine Weine verkaufe, nannte Haass vor allem zwei Wege: als Lieferant des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen und historische Veranstaltungen in Deutschland, Polen und Frankreich. Reicher an Geschichtswissen und mit dem Nachklang ansprechender Weine im Mund machten sich die Gäste schließlich auf den Heimweg.