Weingut Mehling

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Beim Weingut Mehling ziehen alle an einem Strang
(März 2017)

Beim Märztreffen der Weinheimer Weingilde stellte Kathrin Otte sieben Rieslinge des Deidesheimer Bio-Weinguts Mehling vor. Beim ersten Wein, der den Namen „Herr Mehling“ trug, klärte sie gleich über die Namensverhältnisse des Betriebs auf. Gegründet wurde er in den 1950er Jahren von ihrem Urgroßvater, einem Mehling, doch seit ihre Mutter ihren Vater geheiratet hat, heißt die Familie Otte, und seit ihr Freund, Christoph Knäbel, im Betrieb mitarbeitet, ist die Sache noch verwirrender für die Kunden. Darum beschlossen sie, zumindest als Wein wieder einen Herrn Mehling zu präsentieren. Dabei handelt sich es um ihren Gutswein, der 2015 wie auch 2016 ausschließlich aus Reben der Lage Deidesheimer Herrgottsacker gewonnen wurde und ein sehr angenehmer Trinkwein ist.

Danach folgten zwei Ortsweine, ein Deidesheimer und ein Ruppertsberger, bei denen man deutlich den Einfluss des Bodens schmecken konnte: roter Buntsandstein, der fruchtige Weine liefert, in Deidesheim und Lehmboden, bei dem die Weine eher die ganz klassische mineralische Rieslingcharakteristik aufweisen, in Ruppertsberg.

Kathrin Otte erzählte natürlich auch etwas über ihren Werdegang, der nach dem Abitur ein paar Stationen mit Weinbezug, das Studium in Geisenheim und anschließend weitere Stationen in Deutschland umfasste, um Erfahrung zu sammeln, bevor sie 2013 offiziell ins elterliche Weingut einstieg und wenige Monate später ihr Freund, ein ausgebildeter Wirtschafter für Weinbau, auch zu ihnen wechselte. Ihre Philosophie beschrieb sie so: biologisches Arbeiten, keine blumigen Weine, lange Vollhefelagerung, Weinbezeichnung anhand der Lagen (angelehnt an das VDP-System) und nicht der klassischen deutschen Qualitätsstufen. Da sich ihre Weinberge auf sehr viele Einzellagen verteilen, aber häufig nur kleine Parzellen sind, nennen sie nur noch sieben davon bei ihren Weinen, die anderen laufen unter Guts- oder Ortswein.

Nun kamen zwei ihrer Erste-Lage-Weine, und zwar von der Deidesheimer Leinhöhle und vom Forster Musenhang. Die Leinhöhle ist durch einen Südhang gekennzeichnet, was durch die „Sonnenverwöhnung“ eine für Rieslinge sehr geringe Säure zur Folge hat: nur gut 6 Gramm pro Liter. Der zweite stammte von gut 35 Jahre alten Reben in einem schon lange biologisch bewirtschafteten Weinberg, der direkt am Waldrand liegt und darum früh im Schatten und meist feucht ist. Dieser Wein war bei 9 Gramm pro Liter Säure und 6,5 Gramm pro Liter Restzucker von pfeffriger, kühler Art, weil die Säure den Zucker wunderbar einband. Mit einem großen Gewächs aus der Lage Forster Ungeheuer stieß die Verkostung in die Topqualitäten vor. Die im dritten Lesegang geernteten Trauben gärten spontan vollständig durch, und der Wein durchlief zudem spontan einen biologischen Säureabbau, sprich er hat gerade mal noch 0,8 Gramm pro Liter Restzucker und weniger als 7 Gramm pro Liter Säure.

Den Abschluss bildete ein Wein aus ihrem ältesten Weinberg in der Lage Deidesheimer Kalkofen, den ihre Mutter vor 43 Jahren bestockt hatte. Er wurde wie der Vorgänger ausgebaut, schmeckte aber wegen des anderen Bodens deutlich kräftiger.

Kathrin Otte erzählte nicht nur mit viel Begeisterung über ihre Familie, ihr gutes Zusammenwirken, ihre Freude an der Weinerzeugung und ihre vielen tollen Ideen, wie sich das Weingut weiterentwickeln sollte, sondern schwärmte auch von Winechanges, dem Zusammenschluss von 13 Jungwinzern in der Verbandsgemeinde Deidesheim, die sich zum Ziel gesetzt haben zu zeigen, dass neben den drei berühmten Betrieben im Ort auch noch andere schöne Weine erzeugen, und sie lud die Besucher zu deren Veranstaltungen und zu denen auf ihrem Familienweingut ein, eine Einladung, der wohl mancher gerne folgen wird.