Aus Kallstadt und Untertürkheim

8. Januar: Weingut Reinhold und Cornelia Schneider, Kaiserstuhl

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Zu den Weinen zweier Weingüter

Eine Familie – zwei Weinregionen
Pfälzer Weiße und Württemberger Rote im Glas
(November 2017)

Im November kam das Ehepaar Wöhrwag zur Weinheimer Weingilde und präsentierte zwei Weingüter: Müller-Ruprecht aus Kallstadt und Wöhrwag aus Untertürkheim. Sabine Müller-Ruprecht und Philipp Wöhrwag hatten sich bei der Winzerausbildung kennen- und lieben gelernt und kümmern sich inzwischen gemeinsam – jeweils unterstützt von ihren Eltern – um die Familienweingüter. Obwohl das Rebsortenangebot der jeweils rund 20 Hektar großen Betriebe recht ähnlich ist, wurde die Weinprobe nach dem Motto zusammengestellt: Weiße aus der Pfalz, Rote aus Württemberg.

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Zunächst gab es also vier Weißweine, einen feinherben Riesling Kabinett, einen trockenen Riesling vom Kallstadter Saumagen, einen trockenen Gewürztraminer und eine Weißweincuvée, die immer aus zwei der drei Sorten Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay besteht. Zum zweiten Wein erzählte Sabine Wöhrwag, dass sie ihre Rebstockzeilen in der Lage Kallstadter Saumagen nach der genauen Position unterscheiden und Trauben aus „Filetstücken“ wie dem Horn separat ausbauen. Der Boden dort macht den Wein vom

Säuregehalt her sehr bekömmlich, verleiht immer aber trotz der Gelbfruchtigkeit als erstem Eindruck im Nachklang Mineralität und Würze. Am Gewürztraminer hängt – geprägt durch den Vater – ihr Herzblut, aber nur, wenn er nicht zu viel vordergründiges Aroma hat. Philipp Wöhrwag ergänzte, dass die für ihn interessanteste Geschmackskomponente am Gewürztraminer eine gewisse Herbheit im Abgang ist. Der Name der Cuvée – S-Klasse – führte sofort zu der Frage, ob es da nicht Probleme mit einem großen Autohersteller gegeben habe, doch Sabine Wöhrwag erklärte, sie hätten, bevor sie für diese von ihr 1999 erzeugte Cuvée den Namen festlegten, natürlich nachgefragt und erfahren, dass S-Klasse nur für den Automobilbereich geschützt war.

Nun kam der Wechsel zu den Rotweinen, und hier eröffnete natürlich ein Trollinger den Reigen, obwohl das VDP-Weingut sich seinen Namen eigentlich mit Rieslingweinen gemacht hat. Dessen Beinamen „Rädles“ verweist auf die Tradition, das Fass mit dem besten Wein mit einem Rad zu markieren. Philipp Wöhrwag erzählte, dass sein elterlicher Betrieb in der sechsten Generation als Weingut existiert, das Weingut Müller-Ruprecht aber auf über 300 Jahre Tradition zurückblicken kann, dass sie alle ihre Rebstöcke in der Lage Untertürkheimer Herzogenberg stehen haben und dass bei ihnen durch die Lage quasi direkt in einer Großstadt rund 95% direkt ab Weingut verkauft wird. Dieser Aufgabenbereich ist immer noch die Domäne seiner Eltern.

Zum Spätburgunder merkte er an, dass sein Ziel der französische Stil sei, also elegant, nicht zu alkoholreich und dass er gemeinsam mit seinem Vater bei dieser Rebsorte gerne experimentiert und viele Fortbildungen besucht. Als Großes Gewächs gab es danach einen Lemberger, der unter dem Namen Blaufränkischer derzeit eine Renaissance erlebe und den er nicht zu tanninreich, sondern zwar strukturiert, aber zugleich weich haben möchte. Daher wurde der Wein zwar in einem neuen Holzfass, aber nicht in einem Barrique-Fass ausgebaut. Den Abschluss eines genussreichen Abends bildete eine Rotweincuvée, die den Namen Philipp trägt, denn sie wurde erstmals anlässlich von Philipps Geburt erzeugt. Sie besteht immer aus 20% Merlot und 80% Lemberger. Mit einem herzlichen Dank wurden das Ehepaar Wöhrwag verabschiedet, das sich auf den Weg nach Kallstadt machte, wo sein zehn Monate alter Junge bei den Großeltern wartete.