Weingut Braunewell

5. Dezember: Weine aus La Palma

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Grauburgunder-Vielfalt
Ein Winzer begeistert mit seinen Weinen und seiner Präsentation
(November 2016)

Stefan Braunewell, der 2015/2016 Jungwinzer des Jahres der DLG geworden war, kam im November zur Weinheimer Weingilde, um Weine des Braunewell-Familienbetriebs vorzustellen. Das Weingut besteht in der dritten Generation und liegt quasi vor den Toren von Mainz – auf der Rückseite des Lerchenbergs. Stefan Braunewell begründete das Thema des Abends damit, dass die Weingilde in den letzten Monaten sicherlich schwerpunktmäßig Rieslinge verkostet habe und der Braunewell-Schwerpunkt der Grauburgunder sei. Das sei dem Großvater zu verdanken, der ein großer Ruländerfreund ist und deshalb diese Rebsorte bevorzugt gepflanzt hatte. Damit musste nur die Behandlung der Reben und der Moste aus diesen schönen alten Lagen modifiziert werden, um wunderbare Grauburgunder zu erhalten.

Derzeit leben vier Generationen auf dem Weingut, wobei die Interessenschwerpunkte natürlich unterschiedlich sind: Der Großvater „bastelt“ gerne, die Eltern unterstützen den von ihnen eingeschlagenen Weg vom Mischbetrieb zum Weingut weiterhin mit allen Kräften, er und sein Bruder sind seit 2009 bzw. 2012 fest im Betrieb, wobei der Bruder – ein großer Rotweinfreund – vor allem im Keller aktiv ist und er schwerpunktmäßig für den Vertrieb, das Marketing zuständig ist, und sein Sohn würde am liebsten schon Traktor fahren.

Das Weingut liegt auf etwa 240 Meter Höhe, deutlich über der Rheinebene mit teilweise ziemlich windoffenen Lagen, weshalb die Lese deutlich später als in den meisten rheinhessischen Lagen und der Weincharakter eher fein, elegant, säurebetonter ist. Es bewirtschaftet selbst rund 24 Hektar und kauft – zum Teil über langfristige Verträge – Trauben von nochmals ungefähr 10 Hektar zu.

Der erste Wein war ein Gutswein von 2015; diese Sorte macht etwa 20% der Flaschen pro Jahr aus und entsteht aus Lagen mit Erträgen zwischen 7000 und 7500 Liter pro Hektar. Der zweite Wein stammte von einer Kalkmergellage, war cremiger als der erste, aber ließ dennoch auch die Säure schön anklingen. Hier ist der Ertrag nur 4500-5000 Liter pro Hektar, und der Wein wird komplett in alten Holzfässern ausgebaut. Der dritte Grauburgunder kam vom ersten vom Großvater 1972 angelegten Weinberg, dessen Reben ein ungewöhnlicher Klon sind, denn die Beerendichte ist viel geringer und die Beeren sind viel kleiner als üblich. Er wurde in unterschiedlich alten Barrique-Fässern ausgebaut und unfiltriert gefüllt – ohne dass das an einer Trübung im Glas zu erkennen gewesen wäre.

Nun folgte eine Blindprobe, bei der jeder dachte, er hätte einen Rosé im Glas, doch es war ein Grauburgunder als Orange-Wein ausgebaut, d.h. auf der Maische vergoren, wie es sonst nur bei Rotweinen üblich ist. Braunewells probieren gerne etwas aus, waren sich aber gar nicht darüber im Klaren, dass sie mit ihrem Ansatz einem „Hype“ entsprachen. Ihre ersten Versuche mit Sauvignon Blanc als Grundlage waren eine Katastrophe, doch dieser Grauburgunder präsentierte sich sehr trinkbar, und es wäre nur interessant zu erfahren, ob sein Alterungsverhalten ähnlich wie bei den französischen Weißweinen ist, die für Stefan Braunewell der Anlass waren, diese Ausbauart zu probieren. Als Nächstes folgte ein echter Rosé, der auf den Wunsch eines guten Freundes der Familie zurückgeht. Dieser trinkt wenn irgend möglich Roséweine und verlangte, sie sollten mal einen richtig guten Rosé machen. Darum entwickelten sie mit ihm zusammen die Weincharakteristik (85% Spätburgunder, etwas St. Laurent und Merlot) und verkaufen den Wein auch mit dem Doppelnamen Braunewell-Dinter. Er ist wirklich ein ungewöhnlich charaktervoller Rosé!

Stefan Braunewell erzählte auch, dass sie ein konventionell arbeitender Betrieb seien, weil ihnen ein Teil der Regularien für Ökobetriebe nicht praktikabel scheinen, sie sich dafür aber FAIR’N GREEN angeschlossen haben, einem Verein, der sich Nachhaltigkeit im Weinbau zum Ziel gesetzt hat. Des Weiteren gehören sie der Gemeinschaft Selection Rheinhessen an.

Auch der zweite Schwerpunkt des Betriebs sollte nicht fehlen, weshalb nun zwei Rotweine folgten. Das eine war ein Portugieser von 2012 – ein Wein, bei dem keiner der Weinkenner den Portugieser erkannt hätte, obwohl er lauf Stefan Braunewell zu 100% aus Portugiesertrauben hergestellt worden war. Braunewell nannte diese Rebsorte den größten schlummernden Schatz Rheinhessens, doch nur wenn diese sensible Rebsorte richtig behandelt und durch sukzessive Ertragsreduktion auf etwa 2500 Liter pro Hektar heruntergefahren wird. Er merkte auch an, dass nicht jedes Jahr ein Wein dieser Qualität möglich sei, weshalb sie die Trauben dann eben für andere Produkte verwenden. Das andere war ein Spätburgunder von 2014, einem schwierigen Weinjahr, in dem die Lese wegen des Wetters eigentlich etwas zu früh stattfinden musste. Das merkte man an dem härteren Gerbstoffanteil.

Abgeschlossen wurde der sehr unterhaltsame und informative Abend mit einer lieblichen Riesling-Auslese von 2014, die sich dank der Kombination aus 10% Säure und 100 Gramm Restzucker keineswegs pappig süß, sondern sehr ausgewogen präsentierte.