Wein und Schokolade

5. September: Jahreshauptversammlung

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Schokolade und Wein – eine harmonische Kombination
(November 2008)

Beim Novembertreffen der Weingilde mussten sich die sonst absolut im Zentrum stehenden Weine die Aufmerksamkeit mit einem weiteren Genussmittel teilen: Peter Gärtner von der Chocolaterie CACAO in Weinheim war zu Gast und hatte Kreationen aus seinem Haus mitgebracht, um der Weingilde das Thema Wein und Schokolade nahezubringen. Zwei liebliche Weißweine und vier Rotweine sollten jeweils mit einem Schokoladentaler und einer Trüffelpraline aus der gleichen Schokolade und mit dem jeweiligen Wein in der Trüffelmasse verkostet werden. Damit war ein Abend voller Glücksmomente garantiert, denn sowohl Kakaobutter als auch Zucker, ein wichtiger Schokoladenbestandteil, führen im Körper zur Ausschüttung von Endorphinen, den „Glückshormonen“. Dazu erzählte Peter Gärtner Wissenswertes über Kakaogewinnung, Schokoladenqualitäten und Pralinen.

Vier der Weine kamen vom Weingut Schales in Flörsheim-Dalsheim, zwei aus Frankreich. Der erste Wein, eine 2003er Riesling Beerenauslese, wurde mit einer weißen Schokolade mit 35% Kakaogehalt kombiniert. Da einer weißen Schokolade das Kakaopulver fehlt, kommt ihr Kakaogehalt ausschließlich von der Kakaobutter. Die Gäste lernten, dass weiße Schokolade am schnellsten verdirbt und dass man ihre Frische an ihrer gelblichen Farbe erkennen kann – je älter die Schokolade wird, desto weißer wird sie. Zum zweiten Wein, einer 2005er Rieslaner Beerenauslese mit deutlichen Fruchtaromen, passte die Vollmilchschokolade mit 40% Kakaogehalt aus Ecuador und einem Hauch von natürlichem Orangenöl hervorragend. Dann wechselte die Weinfarbe, und es kam ein 2003er Spätburgunder Cardinalis, der im Barrique ausgebaut worden war. Ihm wurde eine Edelbitterschokolade mit 64% Kakaogehalt aus Madagaskar als Begleitung zugewiesen. Kakao aus diesem Anbaugebiet hat Säurenoten, die er den säuerlichen Böden verdankt, auf denen die Bäume stehen – sprich nicht nur beim Wein, sondern auch beim Kakao spielt der Boden eine große Rolle. Noch zwei Gemeinsamkeiten wurden enthüllt: Beim Kakao gibt es ebenfalls die Begriffe Cuvée und Grand Cru.

Als nächstes ließen sich die Gildeaner eine 2005er Grande Cuvée der Domaine de l’Hortus im Anbaugebiet Pic Saint Loup im Languedoc aus Syrah, Mourvèdre und Grenache, mit einer Plantagenschokolade mit 68% Kakaogehalt aus Trinidad munden. Eine Plantagenschokolade ist keine Cuvée, sondern wird aus Kakao einer einzigen Plantage hergestellt. Darauf folgte eine 2002er Cardinalis-Cuvée von Schales aus Cabernet-Sauvignon und Merlot gemeinsam mit einer Edelbitterschokolade mit 72% Kakaogehalt aus Venezuela. Hier wies Peter Gärtner darauf hin, dass eine Schokolade nicht automatisch wegen eines höheren Kakaogehalts kräftiger schmecken muss. Vielmehr spielen die Kakaosorte und das Anbaugebiet eine große Rolle. Einen großen Unterschied zwischen Kakao und Wein gibt es allerdings: Während die Rebsortenvielfalt fast unendlich ist, gibt es nur drei wesentliche „industriell’“ angebaute Kakaosorten, von denen die Forastero-Bohne, die in den Schokoladen der großen Hersteller ausschließlich verwendet wird, mit etwa 70% dominiert. 5% macht die Criollo-Bohne aus, und den Rest steuert die Trinitario-Bohne bei, eine Kreuzung der beiden anderen, die deren Vorzüge weitgehend in sich vereint.

Der letzte Wein des Abends, ein 2004er Moulin A Vent, Les Champs De Cour, weckte Erinnerungen an den Gildeausflug 2005 ins Beaujolais. Ihm hatte Peter Gärtner eine Edelbitterschokolade mit 85% Kakaogehalt aus Ghana zugeordnet. Damit ging ein Abend voller neuer Eindrücke zu Ende, und Obergildemeister Dr. Siegfried Weber dankte Peter Gärtner herzlich für den informativen und dabei zugleich äußerst unterhaltsamen und „wohlschmeckenden“ Abend.