Weingut Dr. Loosen

4. September: Weingut Ansgar Clüsserath aus Trittenheim

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Sonderfall Mittelmosel

Weine von wurzelechten Reben – Weingut Dr. Loosen

Jeder Weinfreund weiß, dass die Reblaus die europäische Weinwirtschaft fast zum Erliegen gebracht hat, und dann kommt im Oktober der Vertreter eines Weinguts aus Deutschland zur Weinheimer Weingilde und stellt Weine von wurzelechten Reben vor. Wie konnte das sein?

Markus Schulte vom VDP-Weingut Dr. Loosen in Bernkastel an der Mosel gab die Erklärung: Zwar gab und gibt es die Reblaus auch an der Mittelmosel, aber sie kann sich dort aus nicht ganz klaren Gründen nicht so vermehren, dass sie eine Bedrohung für den Weinbau wäre. Darum erhalten bei Dr. Loosen Weine auch erst dann den Zusatz „alte Reben“, wenn die Rebstöcke mindestens 80 Jahre und nicht wie sonst üblich 25 Jahre alt sind. Mitgebracht hatte Schulte, wie es sich für ein Moselweingut gehört, Rieslinge, und zwar von den Jahrgängen 2015 und 2016, darunter drei Große Gewächse.

Zur Geschichte des Weinguts erfuhr man, dass der derzeitige Besitzer Ernst Friedrich Loosen, der im Betrieb nur als Ernie bekannt ist, den 50 Hektar großen Betrieb 1988 in einer sehr schwierigen Phase von seinen Eltern übernommen hat, obwohl sein damaliges Studium der Archäologie eigentlich einen anderen Lebensweg vorgezeichnet hatte. Er absolvierte ein Studium in Geisenheim und entschied sich, das Weingut vor allem auf dem internationalen Markt zu platzieren, was ihm hervorragend gelang. Der Anteil an nichttrockenen Weinen, der in diese Märkte geht, liegt bei 90%, während auf dem deutschen Markt, dem in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde, zu 90% trockene Weine verkauft werden.

Das Weingut strebt außerdem an, dass seine normalen trockenen Weine nicht mehr als 12 und seine Großen Gewächse nicht mehr als 12,5 Vol.-% Alkohol enthalten, Restzucker und Säure sollten jeweils bei etwa 7 Gramm pro Liter liegen. Moderne Technik wird nur sehr begrenzt eingesetzt, denn Ernst Loosen hat aus Erzählungen seines Großvaters den Weinausbau im Holzfass mit langer Lagerung auf der Hefe als seinen Ansatz abgeleitet, und so werden die normalen Weine in alten 3000-Liter-Fässern vergoren und die Großen Gewächse in 1000-Liter-Fässern und bleiben dann zehn bzw. zwölf Monate auf der Hefe. Das gibt ihnen ein viel größeres Reifepotenzial, als es auf modernem Weg erzeugte Weine in der Regel haben.

Nachdem mit einem Gutswein und einem Ortsriesling aus Graach, beide vom Blauschiefer, dem an der Mosel am häufigsten anzutreffenden Boden, sowie drei großen Gewächsen, die den Einfluss des Bodens – Blauschiefer (Graach Domprobst), Rotschiefer (Erdener Treppchen) und vulkanisches Gestein (Ürziger Würzgarten) – verdeutlichten, die Palette der trockenen Weine vorgestellt worden war, folgten noch ein Kabinettwein der Lage Wehlener Sonnenuhr, der mit seinen rund 40 Gramm Zucker pro Liter im Export eine sehr wichtige Rolle spielt, und eine Spätlese aus dem Ürziger Würzgarten, die eigentlich noch viel zu jung zum Trinken war. Schulte meinte, er hätte gerne eine reifere restsüße Spätlese mitgebracht, aber im Weingut gebe es halt keinen älteren Jahrgänge mehr. Als Erklärung dafür, dass es aus einer Großen Lage auch Prädikatsweine gibt (hier beim Ürziger Würzgarten), was den Statuten des VDP zuwiderläuft, meinte Markus Schulte nur: Ernst Loosen sage manchmal, die Mosel sei das gallische Dorf des Weinbaus in Deutschland: Man hält an den wurzelechten Reben fest, hat keine Ersten Lagen und bietet eben auch Prädikatsweine aus Großen Lagen an.