Silvaner aus Rheinhessen

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Der Silvaner, oft unterschätzt und vernachlässigt
(Oktober 2004)

Der Silvaner war einmal die wichtigste Rebsorte Deutschlands. Seine Weinstöcke bedeckten 35 Prozent der deutschen Rebfläche. Noch vor wenigen Jahren nahm er mit rund 20 Prozent die größte Fläche im deutschen Weinbau ein. Heute besitzt Deutschland mit cirka 7000 Hektar immer noch die größte Anbaufläche der Welt. Der Silvaner zählt nicht unbedingt zu den ausgesprochenen Qualitätssorten, er nimmt vielmehr eine Mittelstellung ein. Er ist aufgrund seiner nur zarten Säure und des feinen Buketts eher geschmacksneutral, jedoch von guter Harmonie, aber ohne die Haltbarkeit des Rieslings. Ein Wein, der eigentlich immer und überall ankommt und daher ein Konsum- und Schoppenwein und Freund der Wirtsleute ist. Aber auf den richtigen Böden, in guten Lagen und in trockenen Jahren kann auch ein Silvaner überzeugen. Zählen doch Silvaner Spätlesen und Auslesen aus Franken zu den großen Weinen der Welt.

Auch in Rheinhessen widmet man sich seit Jahren dieser eher vernachlässigten und unterschätzten Rebsorte. Mit dem Rheinhessensilvaner "RS" wurde sogar eine eigene Qualitätslinie geschaffen. Hier nimmt man den Silvaner ernst und bezieht ihn in das heutige Qualitätsbestreben mit ein. Dass dies so ist, zeigte auch ein Wettbewerb in Rheinhessen unter dem Namen "Silvaner-Trophy", in dem rund 150 Silvaner (in der Regel trockene) insbesondere aus dem Sonnenjahrgang 2003 verkostet und bewertet wurden. Dabei ergab sich, dass gerade die Silvaner aus dem Jahr 2003 sehr gut abgeschnitten haben.

Um sich selbst ein Bild von der Qualität des Silvaners zu machen, orderte die Weingilde einige der Finalisten, die von jungen und aufstrebenden Winzern stammen und vom Kellerwart Jens Zepp vorgestellt wurden.

Nun kann nicht auf jeden Wein eingegangen werden, aber stellvertretend erwähnt werden soll der Siegerwein vom Weingut Meiser in Gau-Köngersheim mit zartem und vielversprechendem Kräuterduft; dabei saftig, elegant, mit viel Herz und guter Länge. Der Zweite kam aus Bodenheim vom Weingut Kühling-Gillot, der kräftig, dicht und muskulös mit apfeligem Duft einen typischen Silvaner ankündigte. Auch gefiel der Silvaner vom Weingut Würtz-Königsmühle mit mineralisch würziger Nase und Fruchtakzenten von Birnen, Nüssen und Melonen. Ein stoffiger Wein mit pikantem und mineralischem Nachhall, einfach toll. Die anderen Weine waren nicht minder interessant. Insgesamt hat die Qualität der verkosteten Silvaner voll überzeugt, wobei zu bemerken ist, dass es Weine waren, die zwar als Qualitätswein (QbA) angeboten werden, wegen ihres Mostgewichtes aber eigentlich im Spätlese- und Auslesebereich liegen. Im Jahr 2003 gab es halt nichts Schlechteres. Viel guten Wein für wenig Geld.

Zweck der "Silvaner-Trophy" war es, den Ehrgeiz der Winzer in Rheinhessen anzustacheln. Dies ist offenbar vollständig gelungen. Viele junge und aufstrebende Winzer haben die Gaben des Sonnenjahrs 2003 genutzt und Silvaner mit Saft, Kraft und guter Aromatik auf die Flasche gebracht. Es sich lohnt sich, sie zu trinken – entweder zum Essen oder solo.

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