Jahreshauptversammlung

5. Dezember: Weine aus La Palma

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100 Jahre Scheurebe

Ein Jubiläum begleitete die Jahreshauptversammlung der Weingilde

Im Oktober traf sich die Weinheimer Weingilde, um das Jahr 2015 vereinsmäßig abzuschließen. Der späte Termin hat nichts mit einer trägen Vereinsführung zu tun, sondern damit, dass es während der Lese erheblich schwieriger ist, Winzer zu einem Besuch einzuladen, als im Frühjahr.

Bei der Vereinsführung gab es nur eine Veränderung: Gildemeister Manfred Fischer legte sein Amt aus beruflichen und privaten Gründen nieder, und der verbliebene dreiköpfige Vorstand beschloss – mit Zustimmung der Mitglieder –, dass Obergildemeister Dr. Siegfried Weber bis zur nächsten regulären Vorstandswahl die Aufgabe des Kellerwarts mit übernimmt. Nach dem Bericht des Kassenwarts Jens Zepp, der eine gesunde finanzielle Lage der Weingilde ergab, bestätigten die Kassenprüfer eine einwandfreie Kassenführung und beantragten die Entlastung des Kassenwarts. Diese fand genauso Zustimmung wie die Wiederbestellung der Kassenprüfer für weitere zwei Jahre. Auch der Bericht der Schriftführerin Utta Frederich gab keinen Anlass zu Fragen, so dass einer Entlastung des ganzen Vorstands nichts im Wege stand.

Damit der Abend nicht zu trocken wurde und der Vereinszweck nicht zu kurz kam, gab es zwischen den einzelnen Tagesordnungspunkten insgesamt sieben Scheureben zu verkosten, denn diese Kreuzung des Herrn Scheu feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Dabei fiel auf, dass zumindest die Winzer, bei denen der Vorstand eingekauft hatte (Fogt, Katharina Wechsler, Benzinger, Eva Vollmer, Kühling-Gillot, Wittmann und Horst Sauer), ein gemeinsames Ziel hatten: eine Scheurebe zu erzeugen, die bei einer Blindverkostung kaum noch als solche zu erkennen ist. Die Weine aus den Jahren 2013, 2014 und 2015 hatten höchsten einen Hauch von Cassis, auch wenn dieser Ton in mancher Weinbeschreibung angekündigt wurde. Die meisten hatten zudem Säurewerte zwischen 6,5 und 9,5 g/l, was oft eher an Riesling als an Scheurebe denken ließ.

Gildemeister Jens Zepp gab nicht nur die Daten der Weine und ihre Beschreibung durch die jeweiligen Winzer weiter, sondern erzählte auch etwas über die Geschichte der Scheurebe: Es war der 88. Kreuzungsversuch von Herrn Scheu, und bis vor vier Jahren konnte man überall lesen, dass es sich um eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner handle. Dann ergaben DNA-Analysen, dass zwar Riesling richtig ist, statt des Silvaner aber die Bukettraube eingekreuzt wurde. Dass das der Name einer Rebsorte ist, wurde erst beim Blick in Wikipedia klar; danach ist sie eine Kreuzung aus Silvaner und Trollinger aus dem 19. Jahrhundert. Heute wächst die Scheurebe auf rund 1,5% der Weinanbaufläche in Deutschland, wobei der Schwerpunkt mit rund 85% ganz eindeutig in Rheinland-Pfalz liegt. Ein Kuriosum aus heutiger Sicht: Die Scheurebe ist die einzige Rebsorte, die „entnazifiziert“ werden musste, denn von 1930 bis 1945 hieß sie zu Ehren des Landesbauernführers von Hessen-Nassau und NSDAP-Politikers Richard Wagner Dr. Wagnerrebe. Nach 1950 wurde sie dann in Scheurebe umbenannt.

Die Weine waren hervorragende Begleiter der Jahreshauptversammlung, und nun können sich die Gildemitglieder schon auf den nächsten Winzerbesuch im November freuen.