Nordgriechische Weine

10. Oktober: Weingut Dr. Loosen

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Die neue griechische Weinliga
(September 2007)

Dass Wein ein göttliches Getränk ist, wussten bereits die „alten Griechen“ vor Christi Geburt. Die ersten Amphoren ließen sie sich von den Kretern kredenzen, die bereits um 1600 vor Christus eine hoch entwickelte Weinkultur hatten. Wein hatte in Griechenland schon immer einen besonderen Stellenwert. Nicht umsonst kürten die Griechen als erste Europäer Dionysios als Gott des Weins und der Fruchtbarkeit. Kurz nach Christus befand schon der große griechische Schriftsteller und Philosoph Plutarch: „der Wein ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste“. „Erfinder“ des Weins sind die Griechen zwar nicht, denn in Ägypten, Assyrien und Persien produzierte man diesen schon vor der hellenistischen Zeit. Danach haben die Römer als gelehrige Schüler viel von der griechischen Weinkultur übernommen, weiter gepflegt und im Rahmen ihrer Eroberungszüge auch in unsere Gefilde gebracht.

Dies und noch mehr berichtete den Weingildianern einer, der es wissen muss. Anastasios Karagiozidis von der Weinhandlung Enodos aus Ludwigshafen ist ein Kenner des Weins und der Regionen, in denen er hergestellt wird, denn er ist dort aufgewachsen. So berichtete er weiter, dass der Wein ein Teil des griechischen Kulturerbes ist und seine Anbau- und Herstellungstraditionen auch im modernen Griechenland fortgesetzt werden. Der Wein wird heute wie früher auf einer relativ kleinen Fläche angebaut. Von den ca. 150 000 Hektar Rebfläche dient weniger als die Hälfte der Weinherstellung. So beträgt die Rebfläche des qualifizierten Rebanbaus in dem bekannten Weingebiet NAOUSSA lediglich rund 800 Hektar. Mit dem Eintritt Griechenlands in die EU erlebte der griechische Wein eine Renaissance. Innovative Winzer brachten ihr im Ausland erworbenes Fachwissen ein und verbanden es mit der Tradition und dem Terroir der griechischen Weingebiete.

In den letzten zehn Jahren ist die griechische Weinwelt geprägt durch eine dynamische Aufbruchstimmung. Hochmotivierte Önologen brachten in kürzester Zeit ihre Weine auf internationales Niveau. Doch die Betriebe experimentieren nicht nur mit modernen Rebsorten, sondern sie besinnen sich auch der Tradition und forcieren die heimischen Rebsorten. Interessant sind auch die Kombinationen zwischen internationalen und einheimischen Rebsorten. Es entstand sozusagen eine neue griechische „Weinliga“. Um dies zu demonstrieren, präsentierte Anastasios Karagiozidis eine interessante Kollektion von Weinen aus den bekanntesten Weingebieten Nordgriechenlands (Makedonien), alle trocken ausgebaut und von von ihm persönlich ausgesuchten Winzern.

Die Probe hatte einiges zu bieten und begann mit einem frischen und fruchtigen Blanc de Noir, einem Weißwein aus der Rotweintraube Xinomavro aus dem Weingebiet NAOUSSA. Der folgende Chardonnay, ebenfalls ein NAOUSSA, erinnerte an Weiß- und Grauburgunder. Der Übergang zu den „Roten“ erfolgte mit einem ansprechenden Rosé (Xinomavro) aus AMYNTEON. Es folgten sechs „Rote“, die das eigentliche Potential des griechischen Weins darstellen. Ein Wein der Appellation NEMEA aus der St.-Georgs-Rebe (Argiorgitko) machte den Anfang. Es folgte eine Cuvée aus Xinomavro und Nagoska der Appellation GOUMENISSA und eine Cuvée aus Xinomavro und Merlot. Die nächsten waren drei Weine aus NAOUSSA. Zwei davon aus der heimischen Rebsorte Xinomavro. Der letzte Wein war ein eher moderner Typ, eine Cuvée aus Syrah, Merlot und Xinomavro; ein Wein mit viel Potential. Insgesamt waren die “Roten“ gut strukturierte Weine mit fruchtigen Aromen und vollmundigem Geschmack. Es sind Weine, die sich durchaus mit der internationalen Konkurrenz messen können. Die kurzweilige, interessante und unterhaltsame Weinprobe mit vielen wissenswerten Informationen über griechischen Wein, Land und Leute endete mit einem besonderen „Leckerbissen“. Die Anwesenden erlebten eine höchst virtuose Vorstellung des Referenten auf der griechischen Langhalslaute (Bouzouki).