Gereifte Weine

5. Dezember: Weine aus La Palma

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Gereifte Weine, ein Labsal für den Weinfreund
(September 2005)

Bei der Weingilde stehen jeden ersten Dienstag im Monat Weine auf dem Probiertisch, die in der Regel vom Erzeuger (Winzer) vorgestellt werden. Es sind Weine des aktuellen Jahrgangs, allenfalls noch ein Jahr zurück, also Weine, die – insbesondere bei den Rotweinen – ihre Entwicklung noch nicht abgeschlossen haben. So kam die Idee auf, auch mal Weine zu probieren, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie die Jugend hinter sich, das Greisenalter aber noch nicht erreicht haben.

Da solch eine Probe bei den Erzeugern kaum zu bekommen und auch nicht billig ist, entschloss sich Obergildemeister Friedrich Zabel, der Weingilde aus seinem privaten Fundus entsprechende Bouteillen vorzustellen und darüber zu berichten. Dabei ging es auch um die Beantwortung von Fragen wie: Wann schmeckt der Wein am besten, wie erkenne ich ältere Weine, wie lange und unter welchen Bedingungen soll ein Wein lagern, was heißt optimales Geschmackserlebnis. Allerdings auch Fragen, die nicht mit absoluter Sicherheit zu beantworten sind, handelt es sich bei Wein doch um ein Naturprodukt, das nicht beliebig manipuliert werden kann. Viele Faktoren spielen eine Rolle, insbesondere auch das persönliche, subjektive Geschmacksempfinden.

Die Probe begann mit zwei Spätburgundern (trocken), einer 1997er Spätlese aus der Pfalz (Herxheim) und einer 1997er Auslese von der Bergstraße (Leutershausen). Die ehemals tiefrote Farbe war leicht verblasst und glich eher einem rostroten Farbton, typisch für ältere Rotweine. Geschmacklich intensiv, gereift und harmonisch (weiche Tannine) und ausgeglichen. Das Bukett komplex, typisch für Spätburgunder. Die Entwicklung ging in die richtige Richtung. Danach folgten eine 1999er Riesling Spätlese trocken aus der Pfalz (Deidesheim), ein 1995er Riesling Kabinett halbtrocken vom Mittelrhein (Bacharach) und eine 1993er Riesling Spätlese trocken von der Nahe (Oberhausen).

In der Farbe etwas goldgelber geworden präsentierten sich diese Weine mit erstaunlicher Frische und noch merkbarer Säure. Unverkennbar war ein dezenter Alterungston. Im Bukett von den Fruchtaromen her eher dezent, im Geschmack jedoch mit intensiven und vielschichtigen Nuancen. Die Weine haben sich optimal entwickelt. Die Probe endete mit zwei lieblichen Riesling Spätlesen. Eine 1994er von der Ruwer (Kasel) und eine 1998er von der Mosel (Leiwen). Ursprünglich sprühend frisch und fruchtig und von der Säure geprägt, zeigten sie sich nunmehr perfekt in Bukett und Geschmack, eine Freude für den Weinfreund. Die Probe zeigte, dass sich Weine mit zunehmendem Alter, ähnlich wie der Mensch, der nach der Pubertät erwachsener und reifer wird, verändern. Die Frische der Jugend vergeht. Der Charakter wird ausgeglichener, Geschmack und Bukett nobel, vielschichtig und interessanter. Ewiges Leben ist zwar keinem beschieden, aber auch das Alter hat seinen Reiz.

Wer sich Wein hinlegen will, achte auf die Rebsorte und den Jahrgang. Säure- und Tanninwerte sowie Extrakt, Alkohol- und Zuckergehalt sollten hoch sein. Die Lagerung ist günstig bei möglichst konstanter und nicht zu hoher Temperatur. Generell gilt, je höher die Prädikatsstufe (Kabinett, Spätlese, Auslese usw.), desto besser ist die Lagerfähigkeit. Es gilt aber auch: eine Flasche zu spät zu öffnen ist eine viel größere Vergeudung, als sie zu früh zu trinken. Wichtig ist, entsprechende Erfahrungen zu sammeln.

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